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Oral hearing: Lisocabtagen maraleucel (Neues Anwendungsgebiet: follikuläres Lymphom, nach ≥ 2 Vortherapien)

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2025-08-25

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Hearing · incoming

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Official Wortprotokoll turns

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 3–3

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen im Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses! Es ist wieder Anhörungsmontag, und wir beginnen mit Lisocabtagen maraleucel in der Indikation rezidiviertes oder refraktäres follikuläres Lymphom. Basis der heutigen Anhörung sind zum einen das Dossier des pharmazeutischen Unternehmers und zum anderen die darauf beruhende Dossierbewertung des IQWiG vom 11. Juli dieses Jahres. Dazu haben wir Stellungnahmen erhalten vom pharmazeutischen Unternehmer Bristol-Myers Squibb, von Gilead, Regeneron, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für Hämatopoetische Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapie und der German Lymphoma Alliance sowie vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Ich muss zunächst die Anwesenheit feststellen, da wir heute wieder ein Wortprotokoll führen. Für den pharmazeutischen Unternehmer Bristol-Myers Squibb müssten anwesend sein Frau Rieder, Frau Hofmann-Xu, Frau Dr. Hliscs und Frau Pohl, für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie Herr Professor Dr. Wörmann und Herr Professor Dr. Buske, für die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Hämatopoetische Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapie Herr Professor Dr. Dreger, für Gilead Sciences Herr Dr. Finzsch – Fragezeichen –, für Regeneron Frau Gottswinter und Frau Dr. Rüb – Fragezeichen – sowie für den vfa Herr Dr. Rasch. Ist noch jemand in der Leitung, der nicht aufgerufen wurde? – Das ist erkennbar nicht der Fall. Ich gebe zunächst dem pU die Möglichkeit, einzuführen, danach treten wir in unsere übliche Frage-und-Antwort-Runde ein. Wer macht das für BMS?

Frau Rieder (BMS)

Pages 3–3

Das mache ich.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 3–3

Bitte schön, Frau Rieder, Sie haben das Wort.

Frau Rieder (BMS)

Pages 3–5

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Professor Hecken! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte mich zunächst für die Möglichkeit bedanken, die Anhörung zu Lisocabtagen maraleucel, kurz Liso-cel, im vorliegenden Anwendungsgebiet der Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulären Lymphomen nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie von unserer Seite einleiten zu dürfen. Liso-cel ist bereits seit 2022 zugelassen und hat sich in den vergangenen gut drei Jahren in den Anwendungsgebieten des diffus großzelligen B-Zell-Lymphoms, des hochmalignen B-Zell-Lymphoms, des primär mediastinalen großzelligen B-Zell-Lymphoms sowie des follikulären Lymphoms Grad 3b deutlich in der Versorgung etabliert. Heute sprechen wir über eine Erweiterung des zugelassenen Anwendungsgebiets, wie einleitend bereits erwähnt. Zunächst möchte ich Ihnen das heute anwesende Team von BMS kurz vorstellen: zum einen Frau Pohl aus dem Bereich Market Access, Frau Dr. Hliscs aus dem medizinischen Bereich sowie Frau Hoffmann-Xu aus der Biostatistik unseres Unternehmens. Mein Name ist Veronika Rieder, ich leite bei BMS den Bereich Market Access Hämatologie. Bevor ich auf spezifische Punkte zur vorliegenden Nutzenbewertung eingehe, möchte ich einige Worte zum bewertungsrelevanten Anwendungsgebiet von Liso-cel verlieren. Das rezidivierte oder refraktäre follikuläre Lymphom ist trotz therapeutischer Fortschritte in den vergangenen Jahren weiterhin eine nicht heilbare Erkrankung. Insbesondere Patientinnen und Patienten, die bereits zwei oder mehr Therapielinien durchlaufen haben, befinden sich in einer herausfordernden Therapiesituation. Sowohl die Ansprechraten als auch die Dauer des Ansprechens nehmen mit jeder weiteren Therapielinie kontinuierlich ab, und das Risiko einer Transformation zu einem aggressiven B-Zell- und Hodgkin-Lymphom steigt. Ein Drittel der Betroffenen verstirbt bereits innerhalb von 24 Monaten nach Therapiebeginn. Das fortschreitende Krankheitsgeschehen sowie die damit verbundenen Behandlungs- und krankheitsbedingten Symptome sind für die Patientinnen und Patienten sowohl physisch als auch psychisch belastend und führen zu einer sinkenden Lebensqualität. Darüber hinaus führt der kontinuierliche Einsatz gegen das follikuläre Lymphom gerichteter Therapien zu einer Akkumulation behandlungsbedingter Toxizitäten. Letztlich besteht das Risiko von Therapieresistenzen vor allem gegenüber Anti-CD20-Antikörpern und/oder alkylierenden Substanzen. Die aktuellen Entwicklungen neuer Therapieoptionen sowie neuere Leitlinienempfehlungen im vorliegenden Anwendungsgebiet adressieren genau diesen hohen therapeutischen Bedarf. Moderne Therapieoptionen haben einige konventionelle Behandlungen, die in älteren Leitlinien noch genannt werden, im klinischen Alltag abgelöst. Einen besonderen Stellenwert haben dabei inzwischen T-Zell-basierte Immuntherapien wie die bispezifischen Antikörper Mosunetuzumab und Epcoritamab sowie CAR-T-Zell-Therapien. Neben Liso-cel sind unter den CAR-T-Zellen auch Tisagenlecleucel, kurz Tisa-cel, und Axicabtagen-Ciloleucel, kurz Axi-cel, bereits zur Behandlung des follikulären Lymphoms ab dritter bzw. vierter Therapielinie zugelassen. CAR-T-Zell-Therapien zeichnen sich durch die Möglichkeit aus, mit einer einmaligen Behandlung eine lang anhaltende antitumorale Wirkung zu erzielen. Dies kann zu einem langfristigen therapiefreien Intervall führen und die Therapiesituation der Patienten deutlich verbessern. Aus Sicht von BMS stellen daher andere T-Zell-basierte Immuntherapien und damit Mosunetuzumab, Epcoritamab sowie insbesondere Tisa-cel und Axi-cel die zweckmäßige Vergleichstherapie für Liso-cel als ebenso T-Zell-basierte Immuntherapie dar. Die im Rahmen unseres Nutzenbewertungsdossiers eingereichten Stellungnahme dargestellte Evidenz zu Liso-cel gegenüber zweckmäßigen Vergleichstherapien fokussiert sich auf Vergleiche, die den aktuellen Stand medizinischer Erkenntnisse adäquat widerspiegeln. Damit möchte ich zur vorliegenden Evidenz für Liso-cel im Anwendungsgebiet überleiten. Die Ergebnisse der Zulassungsstudie TRANSCEND FL zeigen ein schnelles, tiefes und dauerhaftes Ansprechen durch eine Einmalinfusion mit Liso-cel. Nahezu alle Patientinnen und Patienten in der ITT-Population erzielten ein komplettes Ansprechen. 86,4 Prozent der Patientinnen und Patienten waren auch drei Jahre nach der Infusion mit Liso-cel therapiefrei. Das mediane Gesamtüberleben ist zum letzten Datenschnitt noch nicht erreicht, und die Überlebensrate liegt nach drei Jahren bei 85,8 Prozent. Die Ergebnisse mehrerer methodisch robuster indirekter Vergleiche in Form von Matching Adjusted Indirect Comparisons, oder kurz MAIC, in denen Liso-cel mit Epcoritamab, Mosunetuzumab, Tisa-cel und Axi-cel verglichen wurde, zeigen, dass mit Liso-cel eine Therapieoption zur Verfügung steht, die den therapeutischen Bedarf im Anwendungsgebiet besonders adressiert. Ich möchte einige ganz wesentliche Punkte hieraus hervorheben: Hinsichtlich der Morbidität im Ansprechen, gemessen an der Rate kompletter Remissionen, zeigt sich ein konsistenter Vorteil gegenüber allen zweckmäßigen Vergleichsoptionen in geringem bis beträchtlichem Ausmaß. Hinsichtlich der Mortalität konnte im Rahmen unserer Stellungnahme sogar ein erheblicher Zusatznutzen gegenüber Epcoritamab gezeigt werden. Besonders relevant sind die Ergebnisse zum Sicherheitsprofil von Liso-cel im Vergleich zu anderen CAR-T-Zelltherapien. Insgesamt weist Liso-cel ein Sicherheitsprofil mit vergleichsweise sehr niedrigen Raten bei schweren höhergradigen CAR-T-Zelltherapieassoziierten unerwünschten Ereignisse auf, darunter das Zytokin-Freisetzungssyndrom, neurologische … (akustisch unverständlich) und auch Infektionen. Zusammenfassend zeigen die durchgeführten indirekten Vergleiche konsistente Vorteile von Liso-cel in den patientenrelevanten Endpunkten der Mortalität, Morbidität und Verträglichkeit gegenüber bispezifischen Antikörpern und anderen CAR-T-Zelltherapien. Basierend auf diesen Ergebnissen lässt sich aus unserer Sicht ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gegenüber den zweckmäßigen Vergleichstherapien ableiten, der den besonderen Wert von Liso-cel für Patientinnen und Patienten im vorliegenden Anwendungsgebiet evidenzbasiert unterstreicht. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und stehe nun gemeinsam mit meinem Team für Ihre Fragen zur Verfügung.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 5–5

Herzlichen Dank, Frau Rieder, für diese Einführung. Meine erste Frage geht an die Kliniker. Frau Rieder hat bereits angesprochen, dass es im Anwendungsgebiet einige neuere Therapieoptionen gäbe, und in Ihrer Stellungnahme haben Sie sehr nachdrücklich adressiert, dass eine individualisierte Therapie konzeptionell der Versorgung entspräche, jedoch bei dem, was wir hier festgelegt haben, einige neuere Therapieoptionen nicht umfasst seien. Für uns wäre wichtig, wenn Sie in Ergänzung dessen, was Frau Rieder eben gesagt hat, den Stellenwert dieser neuen Therapieoptionen in der klinischen Versorgungspraxis darlegen könnten. Herr Professor Wörmann, Sie haben sich als Erster gemeldet. Bitte schön.

Herr Prof. Dr. Wörmann (DGHO)

Pages 5–5

Guten Morgen! Ich fange an, und dann dürfen unsere beiden Spezialisten, Herr Buske für die Onkopedia-Leitlinie und Herr Dreger für die speziellen Stammzellaspekte oder die zellulären Aspekte, dazukommen. Das follikuläre Lymphom ist bei Ihnen inzwischen ein sehr häufiger Gast geworden. Das ist sicher bei den Lymphomen das mit dem DLBCL attraktivste Lymphom. Das ist toll und schwierig. Das Spannende dabei ist, dass wir inzwischen komplett von der Chemotherapie in den Erst- und Zweitlinien weggehen konnten – dadurch haben wir deutlich Toxizität eingespart – und dass wir verschiedenste Antikörper dazubekommen haben. Mehrere haben wir mit Ihnen diskutiert. Wir haben mit Rituximab angefangen, haben in der Stellungnahme darauf hingewiesen, dass das heute in der Zweit- und Drittlinientherapie kein Standard mehr ist, weil fast alle Patienten initial mit einem Anti-CD20-Antikörper behandelt worden sind. Dann haben wir mehrere weitere Optionen. Wir haben inzwischen einen Anti-19-Antikörper. Tafasitamab haben wir mit Ihnen diskutiert. Dann haben wir die Möglichkeiten der bispezifischen Antikörper, auch dort sind inzwischen mehrere zugelassen, die wir einsetzen können. Deshalb denken wir, dass sie als Vergleichstherapie dazugerechnet werden müssen. Wir haben inzwischen als besonders aggressive, aber auch wohl nachhaltige Therapie die CAR-T-Zellen. Wir sollten trotzdem darauf hinweisen, dass wir inzwischen auch die Möglichkeit haben, mit BTK-Inhibitoren zu arbeiten. Zanubrutinib hatten wir bei Ihnen in der Nutzenbewertung, auch Lenalidomid ist in der Kombination drin. Für den Kliniker ist das fantastisch, weil das endlich der Heterogenität des klinischen Verlaufes gerecht wird. Wir haben, glaube ich, kein Krankheitsbild bei den Lymphomen, das so dramatisch unterschiedliche Verläufe hat. Wir haben Lymphom-Patienten, die fast nie in der Klinik auftauchen, die extrem langsame Verläufe haben, die über Jahre initial nicht behandelt und auch alt werden, ich denke mit fast normaler Lebenserwartung, mit relativ vorsichtigen Therapieansätzen. Auf der anderen Seite haben wir die Patienten mit hochaggressiven Verläufen, die, obwohl sie nicht 3b sind, trotzdem aggressiv verlaufen, Rezidive innerhalb von zwei Jahren haben. Das sind, glaube ich, die, bei denen wir hier unter anderem auch das Liso-cel diskutieren. Das macht es aber schwierig, und das haben wir, glaube ich, in der Stellungnahme betont. Alle indirekten Vergleiche sind dadurch schwierig, dass das Patientenkollektiv so heterogen ist. Das heißt, die Wahl der Patienten kann durchaus die Prognose beeinflussen. Deshalb glauben wir, dass wir längerfristig nicht um randomisierte Studien in dann identischen Patientenkollektiven herumkommen. Jetzt, wenn ich die Daten von Liso-cel sehe, ist das höchst beeindruckend, aber mit dem Caveat, das ich gerade betont habe. Das wäre meine Einleitung.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Herzlichen Dank, Herr Professor Wörmann. Als erster Nachfolgender hat sich Herr Professor Dreger gemeldet und dann Herr Professor Buske. Bitte schön, Herr Dreger.

Herr Prof. Dr. Dreger (DAG HSZT)

Pages 6–6

Herr Wörmann hat das „Dilemma“ – in Anführungsstrichen – schon aufgeblättert. Eigentlich freuen wir uns, dass wir bei dieser Erkrankung mittlerweile so viele Möglichkeiten haben, die auf Immuntherapien wahrscheinlich von allem, was wir überhaupt zu behandeln haben, am besten ansprechen. Was ich noch ergänzend sagen wollte, war einerseits die autologe Stammzelltransplantation. Am Ende sprechen wir hier nur über die Patienten, die tatsächlich einen … (akustisch unverständlich) POD-24-Verlauf haben, also ein frühes Rezidiv und auf die Primärtherapie nicht ausreichend ansprechen, sich biologisch also aggressiver verhalten, als es das follikuläre Lymphom gemeinhin tut. Für diese Patienten haben wir in zweiter Linie immer noch die autologe Stammzelltransplantation, mit der wir teilweise sehr lang anhaltende Remissionen erzielen können, vielleicht sogar einen gewissen Sockel von Patienten, die auf Dauer ihre Erkrankung loswerden oder zumindest doch eine Krankheitskontrolle erlangen, und das ist mittlerweile eines der preiswertesten Verfahren geworden, die es in der Hämatologie überhaupt gibt. Der zweite Punkt ist: Bei der Vielfältigkeit der Möglichkeiten, die wir haben, die bei Patienten individuell anzupassen sind, ist es, glaube ich, sehr schwierig, irgendwie über die verschiedenen Substanzklassen zweckmäßige Vergleichstherapien herauszuziehen, sondern der Vergleich kann eigentlich nur zwischen den CAR-T-Zellprodukten, die wir mittlerweile haben, direkt gezogen werden. Ich denke, die Fragestellung ist hier, welches Produkt wir bei einer CAR-T-Zellindikation nehmen. Da gibt es keine direkten Vergleiche. Aber von dem, was wir aus den einarmigen Studien und aus der Real World wissen, sind die Ansprechraten und die Krankheitskontrollpersistenz bei dem Liso-cel-Produkt bei sehr guter Verträglichkeit – das wissen wir aus anderen Indikationen – doch sehr überzeugend.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Herzlichen Dank, Herr Professor Dreger. – Herr Professor Buske, bitte.

Herr Prof. Dr. Buske (DGHO)

Pages 6–6

Ich kann als Dritter nicht mehr viel hinzufügen, aber vielleicht noch einmal zum Verständnis: Es ist im Prinzip alles gesagt worden. Das follikuläre Lymphom kennen wir eigentlich als indolente Erkrankung in der Erstlinie. Es ist gut zu behandeln. Die Patienten haben ein Gesamtüberleben, das hervorragend ist, ein progressionsfreies Überleben. Um es noch einmal zu betonen: In den späten Rezidiven ändert sich die Erkrankung – das hat Herr Wörmann sehr gut dargestellt – bei einem erheblichen Anteil an Patienten in der Form, dass diese klinisch aggressiver verlaufen. Wir wissen, dass bei diesen Patienten, wenn wir keine komplette Remission erreichen, das progressionsfreie Überleben extrem kurz ist. Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn wir in der Erstlinie einen Patienten mit follikulärem Lymphomen behandeln, ist eine partielle Remission komplett ausreichend. Das ist ein Therapieerfolg. In den späteren Linien ist es ein Therapieversagen, ein richtiges Therapieversagen. Das wissen wir aus Studien mit den bispezifischen Antikörpern, auch aus Studien mit den CAR-T-Zellen. Für diese Patienten brauchen wir Substanzen, die in hohem Maße eine komplette Remission erzielen, und da ist Liso-cel ein hervorragendes Beispiel mit kompletten Remissionsraten: ich sage einmal um die 90 Prozent oder über 90 Prozent bei sehr guter Verträglichkeit. Das bezieht sich wiederum auf die Vergleichstherapien. Sie können für diese Patientenpopulation am Ende nur Vergleichstherapien akzeptieren, die in der Lage sind, bei der Mehrzahl aller Patienten wirklich zu tiefen Remissionen zu führen und damit zu akzeptablem progressionsfreiem Überleben bzw. Zeit bis zur nächsten Therapie. Die anderen Punkte sind alle erwähnt worden. Das nur noch einmal zum Verständnis.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–7

Herzlichen Dank, Herr Professor Buske. Daran anknüpfend, weil Sie eben sagten, gerade in diesen letztgenannten Therapiesituationen braucht man Wirkstoffe, die geeignet sind, ein komplettes Ansprechen zu gewährleisten, eine Frage an den pharmazeutischen Unternehmer: Können Sie uns erklären, warum die vergleichende Studie TRANSFORM FL vorzeitig eingestellt wurde? Mir hat sich die Frage gestellt, wieso hier kein Vergleich gegenüber der zum Zeitpunkt der Studienplanung bereits zugelassenen CAR-T-Zelltherapie Tisagenlecleucel geplant wurde. Das ist, sage ich einmal, eine vergleichbare Liga. Wieso ist da nicht der Versuch unternommen worden, Daten zu generieren? Frau Rieder, Sie haben sich dazu gemeldet.

Frau Rieder (BMS)

Pages 7–7

Das kann ich gerne kurz aufklären, was Ihre erste Frage bezüglich der vorzeitigen Beendigung der Studie TRANSFORM FL betrifft. Das hatten wir bereits in unserer Stellungnahme ausgeführt. Die Studie TRANSFORM FL, von der Sie sprechen, die ursprünglich als RCT angelegt war, war ursprünglich als konfirmatorische Studie für die FDA-Zulassung vorgesehen. Die FDA-Zulassung ist im beschleunigten Verfahren basierend auf den Daten der Studie TRANSCEND FL erfolgt, das heißt, der einarmigen Studie, die wir jetzt für diese Nutzenbewertung gezeigt haben. Konfirmatorisch wurde seitens der FDA letztendlich nicht mehr die Studie TRANSFORM FL, sondern Langzeitdaten aus der Studie TRANSCEND FL gefordert, weil man die Daten aus der Studie TRANSCEND FL als sehr stark angesehen hat. Weiterhin, und das ist ein sehr wichtiger Punkt, haben uns Bedenken der Prüfärzte zur Rekrutierung dieser Studie erreicht, weil man eine Randomisierung auf CAR-T-Zell-Therapien hätte vornehmen sollen, also auf Liso-cel versus konventioneller Therapien, wenn man sie so nennen will, für ein Patientenklientel, für die kommerziell schon CAR-T-Zell-Therapien zur Verfügung gestanden hätten. Sie haben es gerade angesprochen. Aus diesen Gründen hat sich BMS insgesamt dazu entschieden, die Studie nicht fortzuführen, sie frühzeitig zu beenden. Wir haben dennoch, um vergleichende Evidenz vorlegen zu können, methodisch sehr aufwendige und robuste Matching-adjustierte indirekte Vergleiche durchgeführt, die wir sowohl für die Zulassung als auch für die heute zugrunde liegende Nutzenbewertung im Dossier eingereicht und dargelegt haben. – Das zu Ihrer ersten Frage. Zu Ihrer zweiten Frage, weshalb kein direkter Vergleich gegenüber einer anderen CAR-T-Zell-Therapie durchgeführt wurde: Letztendlich ist es so, dass wir die Designs der Zulassungsstudien mit den Zulassungsbehörden abstimmen und festlegen, auch in Abstimmung mit den Ethikkommissionen. Das letztendliche Design, das gewählt wird, ist abhängig von sehr vielen Faktoren, wie dem Indikationsgebiet, dem Unmet Need, den zur Verfügung stehenden Vergleichsoptionen, auch inwieweit die bereits etabliert sind. Darauf basierend hat sich letztendlich das Studiendesign der Zulassungsstudie TRANSCEND FL entwickelt, das zur Zulassung sowohl seitens der FDA als auch der EMA geführt hat. Ergänzend dazu haben wir die Matching-adjustierten indirekten Vergleiche dazu mit eingereicht.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Danke schön. Dann schaue ich in die Runde. Bänke, PatV, wer hat Fragen? Als erstes Frau Potthast vom IQWiG. Bitte schön.

Frau Potthast ()

Pages 7–8

Ich möchte genau auf den Punkt mit der Studie TRANSFORM FL, die Sie erwähnt haben, eingehen. Sie haben gerade erläutert, dass der Hauptgrund ist, dass bereits auf der Basis der einarmigen Studie TRANSCEND die Zulassung durch die FDA erfolgte und diese Studie dementsprechend nicht weitergeführt wurde. Sie haben auch beschrieben, dass Sie die eingesetzten Therapien im Vergleichsarm nicht mehr als adäquate Therapiealternativen betrachten hätten. Sie haben gerade darauf hingewiesen, dass die Prüfärztinnen und Prüfärzte Bedenken zu dieser Studie geäußert haben. Zudem merken Sie in Ihrer Stellungnahme gleichzeitig an, dass Sie Studien innerhalb eines Entwicklungsprogramms regelmäßig überprüfen, um sich auf Studienprogramme zu konzentrieren, die das größte Potenzial haben, einen transformativen Nutzen für die Patienten und Patientinnen zu liefern. Wenn Sie, wie Sie jetzt sagen, die Therapien, die in der Studie TRANSFORM FL eingesetzt wurden, selbst nicht als Therapien ansehen, die man regelhaft einsetzt, wäre die Frage, warum Sie diese dann in der Studie TRANSFORM FL als Vergleichstherapie gewählt haben. Aus welchem Grund haben Sie diese nicht spätestens bei der Überprüfung des Studienprogramms dahin gehend angepasst, dass Lisocabtagen maraleucel mit den entsprechenden Optionen, wie zum Beispiel der CAR-T-Zelltherapie Tisagenlecleucel verglichen wird? Diese haben Sie übereinstimmend mit dem G-BA als zweckmäßige Vergleichstherapie angesehen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Frau Rieder.

Frau Rieder (BMS)

Pages 8–8

Ich übernehme diese Frage gerne wieder an der Stelle. Zu Ihrer ersten Frage, weshalb diese Vergleichsoptionen zunächst ausgewählt wurden, obwohl wir sie jetzt tatsächlich nicht mehr als adäquat ansehen würden: Hier ist es zum einen so, dass wir entsprechende Designs von Studien, wie schon gesagt, mit den Zulassungsbehörden vorab abstimmen, gewisse Kriterien hier berücksichtigt werden, was letztendlich zu diesem ursprünglichen Design geführt hat. Es ist aber auch so, dass man in den vergangenen Jahren ganz aktuelle Entwicklungen im Indikationsgebiet betrachtet hat, dass neue Therapieoptionen zugelassen wurden, die die Situation entsprechend verändert haben, was uns letztendlich dazu bewegt hat, aus den verschiedenen Gründen, die Sie gehört haben, diese Studie zu beenden. Letztendlich ist es so, dass wir seitens der Zulassungsbehörden den Fokus ganz klar darauf gesehen haben – das liegt auch seitens BMS so vor –, dass man Langzeitdaten für die bereits vorliegende Studie TRANSCEND FL generiert und sich darauf fokussiert, diese Daten dann vorlegen zu können, um das bei den Zulassungsbehörden einzureichen, aber auch Langzeitevidenz für CAR-T-Zelltherapie im Indikationsgebiet zu generieren. Zusätzlich ist es so, dass wir uns darauf fokussieren, dass wir CAR-T-Zelltherapien auch in anderen Indikationsgebieten zur Verfügung stellen können und das ein weiterer Fokus unserer Entwicklungsprogramme ist.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Danke schön, Frau Rieder. – Frau Potthast, ich glaube, wir müssen es einfach zu Kenntnissen nehmen. Haben Sie weitere Fragen, Frau Potthast?

Frau Potthast ()

Pages 8–8

Nein, das ist alles. Danke.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Wer hat weitere Fragen? – Frau Müller von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Bitte schön, Frau Müller.

Frau Dr. Müller ()

Pages 8–8

Ich habe eine kleine Nachfrage. Es wurde schon fast alles zur RCT TRANSFORM FL diskutiert. Gab es zu dem Zeitpunkt, als Sie sich in Absprache mit der FDA, wenn ich das richtig verstanden habe, dazu entschlossen haben, diese Studie abzubrechen, irgendeinen Zwischenbericht? Gab es da einen Clinical Study Report an die Oberbehörden? Falls ja, wie sah das aus? War da etwas Verwertbares dabei?