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Oral hearing: Daratumumab (Neues Anwendungsgebiet: schwelendes multiples Myelom (SMM))

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2026-01-12

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Hearing · incoming

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Official Wortprotokoll turns

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 3–3

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen im Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses! Frohes neues Jahr noch für alle, das kann man jetzt noch sagen. Wir sind erneut bei Daratumumab, zweite Bewertung als Teil einer Bündelung, jetzt Indikation des schwelenden Multiplen Myeloms. Basis der heutigen Anhörung ist die Dossierbewertung des IQWiG vom 11. November des vergangenen Jahres. Wir haben Stellungnahmen erhalten von Johnson & Johnson als pharmazeutischem Unternehmer, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom, der Germanspeaking Myeloma Multicenter Group als gemeinsame Stellungnahme, eine Stellungnahme des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller und von weiteren pharmazeutischen Unternehmen, namentlich Amgen, Lilly Deutschland und Pfizer Pharma. Ich muss zunächst, wie das der guten Ordnung entspricht, die Anwesenheit feststellen, da wir heute wieder ein Wortprotokoll führen. Für den pharmazeutischen Unternehmer Johnson & Johnson müssten anwesend sein Herr Dr. Sindern, Frau Dr. Huschens, Frau Dr. Demmer und Frau Baumgartner, für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie Herr Professor Dr. Wörmann – er fehlt immer noch –, Frau Professor Dr. Weisel und Herr Professor Dr. Scheid, für die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom Herr Professor Dr. Einsele – er fehlt auch – und Herr Professor Dr. Knop – ihn sehe ich auch nicht –, für die German-speaking Myeloma Multicenter Group Herr PD Dr. Mai, für Lilly Deutschland Herr Auerbach und Herr Dr. Menzler, für Amgen Frau Dr. Buchholz und Frau Dr. Floßmann, für Pfizer Pharma Frau Blaurock und Herr Dr. Kaulfuss sowie für den vfa Herr Bussilliat. Ist noch jemand in der Leitung, der nicht aufgerufen wurde? – Das ist erkennbar nicht der Fall. Ich gebe zunächst dem pU die Möglichkeit, einzuführen. Danach treten wir in die Frage-und-Antwort-Runde ein. Ich nehme an, Sie machen das wieder, Herr Dr. Sindern. Bitte schön.

Herr Dr. Sindern (Johnson & Johnson)

Pages 3–5

Vielen Dank für die Möglichkeit, erneut einzuführen. Wie sie sehen, haben wir gewechselt. Weiterhin dabei sind Frau Dr. Huschens und Frau Baumgartner. Neu dazugekommen ist Frau Dr. Irina Demmer, ebenfalls zuständig für das Dossier. Das Smouldering Myelom, über das wir jetzt sprechen, ist eine Vorstufe des Multiplen Myeloms. Die Patientinnen und Patienten mit Smouldering Myelom haben einen Tumor entwickelt, der maligne transformierte Plasmazellen produziert. Endorganschäden liegen noch nicht vor, aber Symptome wie Fatigue oder Schmerz können bereits auftreten. Die Patientinnen und Patienten befinden sich in einem Übergangsstadium zum aktiven Multiplen Myelom. Wie groß das Risiko für die Transformation zum Multiplen Myelom ist, hängt von Art und Anzahl der Risikofaktoren ab. Das neue Anwendungsgebiet umfasst Patienten mit einem Hochrisiko-Smouldering Myelom, das heißt, diese Patienten haben ein besonders hohes Risiko, ein Multiples Myelom zu entwickeln. In der Studie AQUILA betrug die mediane Zeit bis zur Diagnose des Multiplen Myeloms für die unbehandelten Patienten etwas mehr als drei Jahre. Patienten, die zudem die etwas schärferen Kriterien der Mayo-Klinik aus dem Jahr 2018 erfüllen, haben sogar ein 50-Prozent-Risiko, innerhalb von zwei Jahren ein Multiples Myelom zu entwickeln. Mit der Progression zum aktiven Multiplen Myelom sind manifeste Endorganschäden sowie intensive und belastende Therapieregime verbunden sowie der Eintritt in die palliative Phase. Patientinnen und Patienten mit einem Hochrisiko-Smouldering Myelom leben mit der Unsicherheit und Sorge vor dem Übergang in diese Phase. Mit der Indikationserweiterung von Daratumumab steht für die Patientinnen und Patienten mit einem Hochrisiko-Smouldering Myelom, die aufgrund bestehender Symptome oder Sorgen vor dem Multiplen Myelom und der damit indizierten deutlich intensiveren Therapie eine Behandlung ihres Smouldering Myeloms wünschen, erstmals eine zugelassene Therapie zur Verfügung. Das Ziel der Therapie ist es, die Patienten möglichst lange in dem noch nicht palliativen Zustand bei guter Lebensqualität zu halten und vor einer Verschlechterung der Symptome zu bewahren. Die primäre Frage der Studie AQUILA war, ob bei Patienten mit Hochrisiko-Smouldering-Myelom durch die zeitlich auf drei Jahre begrenzte Behandlung mit Daratumumab im Vergleich zum beobachtenden Abwarten sowohl die Zeit bis zum aktiven Multiplen Myelom als auch die Zeit bis zum Tod verzögert werden kann. Diese beiden Aspekte führen direkt zu den beiden aus unserer Sicht heute wichtigsten Punkten: Das ist erstens die Frage der Patientenrelevanz des Endpunktes Zeit bis zur Diagnose des Multiplen Myeloms und zweitens die Frage der Übertragbarkeit der Ergebnisse zum Gesamtüberleben auf den aktuellen Versorgungskontext. Hier geht es um die in der Studie verabreichten Folgetherapien. Zum ersten Punkt: Das IQWiG ist in seinem Bericht nicht auf den Endpunkt Zeit bis zur Diagnose Multiples Myelom eingegangen. Wie zuvor dargestellt, ist mit der Diagnose die Progression in die palliative Therapiesituation mit gegebenenfalls Endorganschäden und intensiven Therapien verbunden. Dieser Übergang markiert aus unserer Sicht ein patientenrelevantes Ereignis, weshalb der Endpunkt Zeit bis zur Diagnose des Multiplen Myeloms für die Patientinnen und Patienten ein patientenrelevanter Endpunkt ist. In der Studie AQUILA wurde die mediane Zeit bis zur Diagnose eines Multiplen Myeloms nach 65 Monaten Nachbeobachtungszeit, also nach über fünf Jahren, im Daratumumab-Arm noch nicht erreicht, wohingegen der Median im Kontrollarm 39 Monate beträgt. Das Risiko, die Diagnose eines Multiplen Myeloms zu erhalten, wird durch die zeitlich begrenzte Therapie mit Daratumumab bei einer Hazard Ratio von 0,45 mehr als halbiert. Auch für die Subgruppe an Studienteilnehmern, die gemäß Mayo 2018-Risikokriterien ein besonders hohes Risiko haben, ist bei einer Hazard Ratio von 0,31 der Unterschied zugunsten der Daratumumab Monotherapie signifikant. Konsistent zur Verzögerung der Diagnose zeigen sich in der Studie AQUILA in elf Endpunkten der patientenberichteten Morbidität und Lebensqualität signifikante Vorteile unter Daratumumab. So kann etwa die Zeit bis zur Verschlechterung von Dyspnoe, Schmerz und Krankheitssymptomen sowie des allgemeinen Gesundheitszustands durch die Monotherapie mit Daratumumab deutlich hinausgezögert werden. Im Einklang mit einer Verzögerung der Symptomatik zeigen sich auch signifikante Vorteile in der Lebensqualität, das heißt in der Zukunftsperspektive sowie der kognitiven und emotionalen Funktion im Vergleich zu beobachtendem Abwarten. Die Vorteile sind beachtlich: Die mediane Zeit bis zur erstmaligen Verschlechterung von Dyspnoe wird um rund zweieinhalb Jahre verlängert, für die erstmalige Verschlechterung von Schmerz liegt der Unterschied zwischen den Studienarmen bei rund 10 Monaten, und für die erstmalige Verschlechterung der Krankheitssymptome beträgt der Unterschied circa 18 Monate. Daher ist die spürbare Symptomatik nicht als geringfügig einzustufen. Zum zweiten Punkt: In der Studie AQUILA erfolgte die Wahl der Folgetherapie ohne Einschränkung und nach Ermessen durch die behandelnden Ärzte. So konnten die Patienten bei Diagnosestellung des aktiven Multiplen Myeloms gemäß dem zum jeweiligen Zeitpunkt aktuellen Versorgungsstandard für die Erstbehandlung des Multiplen Myeloms therapiert werden. Um die beiden primären Fragestellungen der Studie zu untersuchen, ist eine lange Studienlaufzeit erforderlich. Wir waren bereits vor fast 10 Jahren in der zVT-Beratung beim G-BA. In der Zeit hat sich der Versorgungsstandard gewandelt. Aktuelle Leitlinien ergänzen bzw. ersetzen den bei Beginn der Studie AQUILA bestehenden Therapiestandard für die initiale Behandlung aus Bortezomib-basierten Dreifachkombinationen um Anti-CD38-Antikörperbasierte Vierfachkombinationen. In der aktuellen zVT-Festlegung durch den G-BA werden die kürzlich erfolgten Leitlinienaktualisierungen bereits aufgegriffen. Wenn man sich die im Kontrollarm der Studie AQUILA eingesetzten Therapien anschaut, findet man einen hohen Anteil an Therapien aus diesen zVT-Optionen. Wie wir in der schriftlichen Stellungnahme dargestellt haben, gilt das für über 60 Prozent der Studienteilnehmer, die keine ASZT erhalten haben, und für etwa 80 Prozent der Studienteilnehmer, die eine ASZT erhalten haben, wenn man auch hochwirksame Kombinationen wie etwa VRd als Induktion vor ASZT dazurechnet. Zudem entspricht der Anteil an Stammzelltransplantationen in der Erstlinienbehandlung des Multiplen Myeloms in der Studie AQUILA dem im deutschen Versorgungsalltag. Es gibt auch keinen Unterschied hinsichtlich der Folgetherapien zwischen den Studienarmen, aus dem eine Verzerrung entstehen könnte. Die Ergebnisse aus der Studie AQUILA können somit auch für das Gesamtüberleben und die patientenberichteten Endpunkte für die Nutzenbewertung herangezogen werden, und der signifikante Vorteil im Endpunkt Gesamtüberleben mit einer Hazard Ratio von 0,52 ist daher aus unserer Sicht nicht gänzlich infrage zu stellen. In der Kategorie Sicherheit führt die Gabe von Daratumumab gegenüber beobachtendem Abwarten zu keinen statistisch signifikanten Unterschieden in den Gesamtraten von schweren oder schwerwiegenden UE. Auf der Ebene von SOC und PT zeigt sich nur für Infektionen und parasitäre Erkrankungen ein signifikanter Unterschied bei den schweren und schwerwiegenden UE, was im klinischen Alltag eine bekannte Nebenwirkung von Daratumumab ist. Zusammenfassend ergibt sich für Patienten mit einem Hochrisiko-Smouldering Myelom neben einem Überlebensvorteil ein deutlicher Vorteil von Daratumumab in der Verzögerung der patientenberichteten Symptomatik und der Verzögerung der Verschlechterung der Lebensqualität, die mit einer deutlichen Verlängerung der Zeit bis zur Diagnose des Multiplen Myeloms einhergehen. – Vielen Dank.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 5–5

Herzlichen Dank, Herr Dr. Sindern, für diese Einführung. – Ich will Ihre beiden Punkte sofort aufgreifen. Sie haben zur Symptomatik und zur Zeit bis zur Diagnose ausgeführt. Mich interessiert bezogen auf die Kliniker, wie sich bei den Patientinnen und Patienten mit schwelendem Multiplem Myelom erkrankungsspezifische Beschwerden manifestieren. Können Sie in etwa quantifizieren, wie groß der Anteil der Patientinnen und Patienten ist, bei denen wir hier erkrankungsspezifische Beschwerden sehen und mit welchen Symptomen die üblicherweise als relevante Symptome assoziiert sind? Das ist der erste Teil. Der zweite Teil ist die Problematik des Gesamtüberlebens. Wir wissen, dass das IQWiG die Daten als nicht interpretierbar angesehen hat, weil nur 33 Prozent der Patientinnen und Patienten, die am Multiplen Myelom erkrankten, im Vergleichsarm eine Erstlinientherapie mit einem CD38-Antikörper erhalten haben. Ich möchte Sie vor diesem Hintergrund fragen, wie Sie die Aussagekraft der vorliegenden Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben einschätzen. Herr Sindern hat es sehr schön formuliert. Er sagt, sie sind nicht gänzlich infrage zu stellen, weil es doch einen gewissen Wandel im Verlauf gegeben hat. Das wären die beiden Fragenkomplexe, die wir zunächst diskutieren müssten. Frau Professor Weisel, Sie haben sich als erste gemeldet. Bitte schön.

Frau Prof. Dr. Weisel (DGHO)

Pages 5–6

Die Abschätzung, wie viele Smouldering-Patientinnen und -Patienten Symptome haben, ist schwierig, weil das die mit dem höheren Leidensdruck sind und die wirklich kommen oder ein Zentrum aufsuchen. Ich würde sagen, dass wir dann oft zum ersten Mal die Symptome so ein wenig im gezielten Anamnesegespräch herauskitzeln. Bei denen, die wir sehen, würde ich sagen, auf jeden Fall ein gutes Drittel hat Symptome, vielleicht sogar etwas mehr. Das ist meistens Fatigue. Bei manchen geht das auch bis hin zur längeren Arbeitsunfähigkeit oder immer wieder Krankheitstagen bei der Arbeit. Dann gibt es die Polyneuropathie, die auch einige Patientinnen und Patienten einschränkend begleitet. Es gibt eine diffuse Schmerzsymptomatik, die mehr einer rheumatologischen Systemerkrankung gleicht, zum Beispiel Polymyalgie-forme Schmerzen der Gelenke, der Muskulatur. Das ist das Häufigste, was man sieht. Oft haben die Patientinnen und Patienten eine unglaubliche Odyssee hinter sich, weil die Symptome nicht richtig zugeordnet werden können, und trauen sich manchmal nicht mehr, die noch vorzubringen. Die muss man aktiv fragen. Manche merken es auch an der sportlichen Leistung. Das ist sehr unterschiedlich. Aber es ist nicht so, dass die Patientinnen und Patienten immer asymptomatisch sind. Ich habe selbst Patienten in der Studie begleitet, noch in Tübingen damals. Das kann man durch eine Intervention und eine Unterdrückung des Myelomklons schon nachhaltig positiv beeinflussen. Diese Beschwerden sind auch direkt von dem zugrunde liegenden Klon abhängig. Die andere Frage ist wesentlich härter. Sagen wir einmal grundsätzlich: Es ist für mich ein ganz wichtiger Punkt in der AQUILA-Studie, dass die Daratumumab-Therapie auf maximal drei Jahre begrenzt war. Wir wissen, dass sich die CD-38-Expression binnen vier bis acht Wochen in der Regel erholt. Wir wissen auch, dass es keine Mutation gibt, die wir kennen, dass die Antikörper nicht mehr wirksam sind. Wir kennen auch CD-38-Verluste nur in Einzelfällen, in ganz stark vortherapierten Letztlinien-Patienten, sodass man nach menschlichem Ermessen davon ausgehen muss, dass ein Patient, der nicht unmittelbar in eine aggressive Myelom-Erkrankung rutscht, sondern seine Smouldering-Behandlung bekommen hat, dann noch ein wenig Zeit hat und dann irgendwann sein Myelom entwickelt, dass der nach menschlichem Ermessen auf eine Anti-CD-38-Therapie ansprechen müsste und dann kein Nachteil dadurch oder hinsichtlich des Gesamtüberlebens entsteht. Das Ganze ist ein Anspruch an jeden, der Erstlinienstudien macht. Wenn man diese Patientinnen und Patienten konsequent von Erstlinienstudien ausschließt, werden wir diese Frage nie beantworten. Wir müssen einen Kulturwandel in die Ein- und Ausschlusskriterien bringen. Das ist eine Aufgabe für uns alle, die wir lösen müssen. Aber ich würde sagen, ich glaube nicht, dass es einen größeren Impact macht. Das würde ich jetzt aufgrund der wissenschaftlichen Basis nicht sehen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Herzlichen Dank, Frau Professor Weisel. – Herr Professor Scheid, bitte.

Herr Prof. Dr. Scheid (DGHO)

Pages 6–7

Ich möchte die Frage der Symptomatik in zwei Teile teilen. Wie dargelegt, ist ein Patient mit hochgradigen Laborveränderungen – – Von denen reden wir hier. Es sind keine Smouldering-Myeloma-Patienten insgesamt, sondern diejenigen mit ausgeprägten Laborveränderungen, deshalb Hochrisiko-Smouldering-Myeloma. Unter denen haben wir Patienten, die symptomatisch sind. Das Zweite ist, dass das Risiko bei Beobachtung deutlich zunimmt, dass der Patient im Verlauf der Beobachtung, auch bei engmaschigen Intervallen, deutliche Symptome entwickelt bis hin zu einem Knochenbruch oder einer Nierenschädigung. Wir verhindern durch die Therapie die Akutsymptomatik, aber verschieben zumindest deutlich über viele Jahre hinweg das Risiko, durch die Krankheitsprogression noch weitere oder schlimmere Symptome zu bekommen. Das ist ein zweischichtiges Thema, bei dem ich denke, dass die frühe Therapie hier sinnvoll erscheint. Zum Thema Überleben: Natürlich glaube ich, dass unsere modernen Therapien, die wir verfügbar haben, das Überleben günstig beeinflussen. Ich sehe aber, wie dargestellt, keinen Grund, anzunehmen, dass der Unterschied zwischen beiden Armen der Studie unterschiedlich ausfällt. Ich denke, dass sich die Überlebenskurven verbessern, die Unterschiede auf längere Sicht mit wirksameren Therapien im Verlauf zu beobachten sind, aber dass der grundsätzliche Effekt bestehen bleibt. Dem würde ich mich anschließen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Danke schön, Herr Professor Scheid. – Frau Pitura von der KBV, bitte.

Frau Pitura ()

Pages 7–7

Bevor ich zu den Folgetherapien frage, möchte ich gerne noch einmal zu dem Thema nachfragen. Sie haben zu den möglichen Symptomen ausgeführt. Wie bewerten Sie den klinischen Stellenwert dieser frühen Behandlung vor Manifestation des Multiplen Myeloms? Welche möglichen Vorteile und Risiken sehen Sie aus klinischer Sicht? Frau Weisel hat schon begonnen, dazu auszuführen. Vielleicht können Sie dazu noch etwas sagen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Frau Weisel, Sie sind direkt angesprochen. Bitte schön.

Frau Prof. Dr. Weisel (DGHO)

Pages 7–7

Ich sehe es als ganz wichtig an, dass man für Patientinnen und Patienten eine Therapiemöglichkeit hat. Wir sprechen nicht über eine Notfallbehandlung. Das ist im besten Sinne, Frau Holtkamp wird sich dem hoffentlich anschließen, shared decision making, gemeinsam mit dem individuellen Patienten, mit der Patientin zu entscheiden. Wir empfehlen oder kommen zum Konsens, ob wir eine Behandlung wollen, ja oder nein. Die Patientinnen und Patienten sind in ganz unterschiedlichen Situationen. Ich sehe sehr viele in der Zweitmeinungssprechstunde. Das zeigt aber auch den Bedarf der Patientinnen und Patienten, beraten zu werden. Es gibt junge Patientinnen und Patienten, die sagen, ich will nicht darauf warten, bis mir die Knochen brechen. Ich will auch nicht wissen, dass ich eine bösartige Erkrankung habe. Ich will etwas tun. Ich muss etwas tun. Es gibt Patienten, die wirklich darum ringen, eine Behandlung zu haben. Es gibt andere, die sagen, gut, wenn ich es nicht gewusst hätte oder wenn es mir niemand gesagt hätte, wüsste ich es auch nicht, also möchte ich nicht. Das muss man genauso sehen. Und dann gibt es die Patientinnen und Patienten, die Beschwerden haben. Manchmal gibt es aber eine Situation, dass es zum Beispiel eine andere Komorbidität gibt, die durch die Myeloma-Erkrankung gestört wird. Zum Beispiel haben Patienten durch das Smouldering Myelom eine leichte Gerinnungsstörung, müssen operiert werden. Auch da kann man das positiv beeinflussen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Szenarien. Ich kann Ihnen sagen, dass diese Gespräche immer sehr intensiv sind. Das ist eines der längsten Gespräche, die man mit den Betroffenen führt, in denen man sehr intensiv abwägt. Die Therapie ist sehr gut verträglich. Wenn man Patientinnen und Patienten gut über mögliche Infektionen aufklärt oder die Notwendigkeit der Impfung wahrnimmt – Grippe, Pneumokokken, Covid –, dann ist das mit ganz wenig Belastung verbunden. Ich möchte ein Beispiel nennen, ohne zu lang auszuführen: Ich hatte in der Studie einen Patienten, der war Amateur-Leistungssportler und hat Langdistanz-Triathlon gemacht. Jetzt wird es vielleicht in Gedanken für jeden wärmer, wenn er sich das vorstellt. Dessen Lebensziel war immer, an dieser Amateur-Weltmeisterschaft Iron Man teilzunehmen. Der hat gesagt, ich will jetzt nicht in eine Behandlung rutschen, in eine Myelom-Behandlung und Hochdosistherapie und so. Der hat sich damals randomisieren lassen, hat die Daratumumab-Therapie bekommen. Das ist jetzt viele Jahre her, er ist zum Glück noch nicht behandlungsbedürftig geworden und hat im vergangenen Jahr 2025 im September tatsächlich seinen Lebenstraum erfüllt und an dieser Amateur-Weltmeisterschaft in Nizza teilgenommen und ist auch ins Ziel gekommen – was viele von uns wahrscheinlich genauso wie ich als unvorstellbare Leistung empfinden. Hier gibt es auch Lebensperspektiven, die man berücksichtigen muss. Früher haben wir dann Kostenübernahmeanträge gestellt und um einzelne Therapien gerungen. Das halte ich für ganz wichtig. Aber wir sind in einer ganz anderen Situation, als wir vorhin besprochen haben, über eine akut behandlungsbedürftige bösartige Erkrankung.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Herzlichen Dank, Frau Professor Frau Weisel. Herr Professor Scheid, bitte.

Herr Prof. Dr. Scheid (DGHO)

Pages 8–8

Ich möchte auch unterstreichen, dass es um die Möglichkeit zur Behandlung geht. Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Ich würde aus den Daten keinen Zwang zur Behandlung ableiten. Ich würde auch nicht jeden Patienten zwingen wollen, drei Jahre Therapie durchzuhalten. Die Möglichkeit ist, auch einmal zu testen: Wie vertrage ich diese Therapie? Habe ich irgendwelche Einbußen? Habe ich negative Effekte? Wir glauben das nicht, aber der Patient kann das selber spüren. Er kann auch dagegen spüren, wie gut seine Symptomkontrolle ist. Was macht das mit meiner Fatigue oder mit meinen diffusen Knochenschmerzen, die da sein können? Dann kann man im Therapieversuch entscheiden, wie die Risiko-Benefit-Verteilung ist. Das ist für mich ein wichtiger Punkt, den ich betonen möchte. In der Studie haben wir ein Protokoll, dem wir folgen, wo wir modellhafte Daten generieren. Aber ich glaube, die Möglichkeit, einem Einzelfall-Patienten das anzubieten, ist für mich eine ganz große Bereicherung der Therapiemöglichkeiten.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Danke schön, Herr Scheid. – Frau Pitura, ist Ihre Frage damit beantwortet oder haben Sie noch eine weitere?

Frau Pitura ()

Pages 8–8

Diese ist beantwortet, aber ich habe eine weitere Frage.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Bitte. Frau Pitura mit einer zweiten Frage und danach Herr Kranz vom IQWiG. Frau Pitura, bitte.

Frau Pitura ()

Pages 8–8

Meine weitere Frage betrifft die Folgetherapien, die bereits angesprochen wurden. Diese Mängel aufgrund möglicherweise unzureichender Folgetherapien wurden vom IQWiG als gravierend eingestuft, was dazu geführt hat, dass das Gesamtüberleben nicht herangezogen wurde. Der pU hat in seiner Stellungnahme weitere Angaben nachgereicht, welche Folgetherapien gegeben wurden. Daraus geht hervor, dass ein großer Teil die Therapie Bortezomib, Lenalidomid, Dexamethason bekommen hat. Natürlich hat sich der Therapiestandard verändert. Das ist ohne Zweifel so. Man kann nicht fordern, dass die Folgetherapien dem Therapiestandard von heute entsprechen. Deshalb möchte ich zunächst gerne den pU fragen: Können Sie sagen, in welchem Jahr der Großteil der Patienten die erste Folgetherapie erhalten hat? Die Rekrutierung der AQUILA-Studie liegt schon eine ganze Weile zurück. Die begann im Jahr 2017. Wann haben die meisten Patienten eine Folgetherapie bekommen?

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Wer kann dazu vom pU etwas sagen? – Frau Demmer, bitte.

Frau Demmer (Johnson & Johnson)

Pages 8–8

Grundsätzlich wurden über den gesamten Studienverlauf Folgetherapien begonnen. Es ist so, dass die zum Zeitpunkt des Datenschnitts bereits über zwei Jahre zurückliegen, die die Daratumumab-Therapie bereits abgeschlossen haben. Das heißt, bei allen Folgetherapien, die zum Datenschnitt erst begonnen wurden, liegt die Daratumumab-Therapie schon über zwei Jahre zurück. Man kann aber nicht sagen, dass es einen bestimmten Zeitraum gibt, in dem vor allem Folgetherapien begonnen wurden, sondern das erstreckt sich über den gesamten Studienzeitraum.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Danke schön. – Frau Pitura, bitte.

Frau Pitura ()

Pages 8–8

Dazu möchte ich gerne bei den Klinikern nachfragen. Ausgehend vom Jahr 2017, da begann die Rekrutierung für die AQUILA-Studie, würden Sie sagen, dass zu dieser Zeit die Kombinationsbehandlung, also eine Bortezomib-basierte Dreifachkombinationsbehandlung, als adäquat zu werten ist? Wir haben in verschiedenen Anhörungen, auch heute schon ausführlich über das Thema gesprochen. Aber letztes Jahr bei der Daratumumab-Anhörung im April haben wir auch über die Relevanz dieser Induktionsbehandlung gesprochen. Da haben Sie mitgeteilt, dass das damals weltweit am häufigsten eingesetzt wurde, auch wenn es heute nicht mehr so ist. Wie würden Sie es in diesem Zeitrahmen bewerten?