Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 3–3
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen im Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses! Es ist wieder Anhörungsmontag, und wir fahren mit den Anhörungen am heutigen Tag fort, jetzt Momelotinib zur Behandlung der Myelofibrose. Wir haben es hier mit einem Orphan zu tun, das die 30-Millionen-Euro-Grenze überschritten hat, und deshalb ist die Basis der heutigen Anhörung die Dossierbewertung des IQWiG vom 28. Januar 2026, fußend auf dem eingereichten Dossier des pharmazeutischen Unternehmers. Wir haben schriftliche Stellungnahmen erhalten, zum einen vom pharmazeutischen Unternehmer GlaxoSmithKline, von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie gemeinsam mit der MPN und von Bristol-Myers Squibb, Novartis und vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Ich muss zunächst die Anwesenheit feststellen, da wir heute wieder ein Wortprotokoll führen. Für den pharmazeutischen Unternehmer GlaxoSmithKline müssten anwesend sein Herr Krammer, Frau Dr. Iwamoto, Frau Gleißner und Frau Simang, für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie Herr Professor Dr. Petrides und Herr Professor Dr. Wörmann – ich sehe ihn nicht –, für Novartis Pharma Herr Heuberger und Frau Vogelmann, für Bristol-Myers Squibb Frau Pohl und Herr Reimann sowie für den vfa Herr Herden. Ist noch jemand in der Leitung, der nicht aufgerufen wurde? – Das ist erkennbar nicht der Fall. Ich gebe zunächst dem pU die Möglichkeit, einzuführen. Danach treten wir in die Frage-und-Antwort-Runde ein. Wer macht das für den pU?
Frau Gleißner (GSK)
Pages 3–3
Das übernehme ich.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 3–3
Bitte schön, Frau Gleißner.
Frau Gleißner (GSK)
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Danke schön. – Sehr geehrter Herr Professor Hecken! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank für die einleitenden Worte und die Möglichkeit, hier heute Stellung zu nehmen. Natürlich möchte ich zunächst das GSK-Team kurz vorstellen: Mein Name ist Erika Gleißner, und ich leite den Bereich Market Access Onkologie bei GSK. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Market Access, Herrn Martin Krammer, Biostatistik, Frau Veronika Simang, und Medizin, Frau Claudia Iwamoto, möchte ich heute mit Ihnen die erneute Nutzenbewertung von Momelotinib in der Myelofibrose bei zwei Patientenpopulationen besprechen, nämlich den JAK-Inhibitor-naiven Patienten und den mit Ruxolitinib vorbehandelten Patienten. Worüber sprechen wir also? In der ersten Nutzenbewertung von Momelotinib hat der G-BA schon für die moderat bis schwer anämische Patientenpopulation aufgrund der gezeigten Milz-, Symptom- und Transfusionsvorteile einen geringen Zusatznutzen festgestellt. Die Basis für diese Zusatznutzenbewertung war das umfassende klinische Studienprogramm von Momelotinib. Hier liegen sogar drei randomisierte kontrollierte Studien vor. Die Myelofibrose ist eine seltene, schwerwiegende und für die Patienten hochbelastende Erkrankung. Sie weist im Kern drei Hauptausprägungen auf, nämlich zum einen die Splenomegalie, konstitutionelle Symptome und auch eine progrediente Anämie. Gerade die Anämie stellt für Patienten, die schon moderat bis schwer anämisch sind, ein großes klinisches Problem dar. Nahezu alle dieser Patienten sind im Verlauf ihrer Erkrankung auf Transfusionen angewiesen. Die häufige Folge dieser Transfusionen ist nicht nur ein organisatorisch hoher Aufwand, sondern auch erhebliche Folgekomplikationen und eine sehr ungünstige Gesamtprognose. Welchen Mehrwert bringt hier Momelotinib? Momelotinib adressiert den bislang ungedeckten medizinischen Bedarf in dieser Indikation, da es die drei Merkmale der Myelofibrose adressieren kann, nämlich Splenomegalie, konstitutionelle Symptome und die Anämie im Besonderen. Dieser Ansatz unterscheidet Momelotinib von den anderen verfügbaren JAK-Inhibitoren. Der Hintergrund hierfür ist der andere Wirkmechanismus von Momelotinib, der ganz spezifisch Effekte auf die Erythropoese hat, und diese zeigen sich auch klinisch in den Transfusionsendpunkten. Auch das IQWiG erkennt in seiner Bewertung bereits die Vorteile in der Transfusionsvermeidung und in Bezug auf die schwere Anämie an. Ich möchte noch einmal betonen, dass im Anwendungsgebiet eingeschlossene Patienten bereits zu Baseline alle moderat bis schwer anämisch sind, und in dieser Situation ist davon auszugehen, dass für alle Patienten eine relevante Transfusionslast vorliegt. Dies zeigt sich auch in der Studie SIMPLIFY-1. In der bewertungsrelevanten Teilpopulation ist die mittlere Transfusionslast in den letzten zwölf Wochen vor Baseline bei drei Einheiten. Aus diesem Grund ist es für diese klar definierte Patientenpopulation ein wichtiges Therapieziel, die Transfusionen zu vermeiden oder die Anzahl zu reduzieren. Genau hier zeigt Momelotinib konsistente und klinisch relevante Vorteile. In unserem Dossier haben wir verschiedene Operationalisierungen für diese Transfusionsendpunkte ausgewertet und dargestellt. Über die verschiedensten Operationalisierungen hinweg zeigt Momelotinib konsistente, klinisch relevante Vorteile, die aus unserer Sicht einen beträchtlichen Zusatznutzen darstellen. Welche Relevanz haben diese Vorteile, die wir in den Studien gesehen haben, in der klinischen Versorgung und in der Versorgungsrealität? Hier spiegelt sich dieser Zusatznutzen bereits deutlich in der Versorgungspraxis wider. Momelotinib hat sich für die moderat bis schwer anämischen Patienten seit Marktverfügbarkeit als Therapiestandard entwickelt. Das kann man sehr schön an dem letzten Update der Leitlinie sehen; denn hier ist Momelotinib als einzige Therapieoption für genau diese Patientenpopulation explizit empfohlen. Zusammenfassend möchten wir heute darlegen, dass Momelotinib einen klaren patientenrelevanten Zusatznutzen bietet, der sich neben der Wirksamkeit auf krankheitsbedingte Symptome und Splenomegalie vor allem in konsistenten und klinisch bedeutsamen Transfusionsvorteilen zeigt. Momelotinib ist schon der Therapiestandard für Patienten mit moderater und schwerer Anämie, und wir sind davon überzeugt, dass diese Aspekte auch in der Nutzenbewertung angemessen berücksichtigt werden sollten. – Vielen Dank.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 4–4
Herzlichen Dank, Frau Gleißner, für diese Einführung. – Meine erste Frage richtet sich anknüpfend an das, was Sie gesagt haben, an Herrn Petrides. Welchen Stellenwert, Herr Professor Petrides, haben die Erythropoese-stimulierenden Faktoren nach Ihrer Einschätzung bei den, das hat Frau Gleißner gesagt, Januskinase-Inhibitornaiven Erwachsenen mit Myelofibrose bei krankheitsbedingter Splenomegalie oder, und darauf ist sie eingegangen, Symptomen mit moderater bis schwerer Anämie? Ist es so, dass man hier deutlich die Wirkungen sieht, die Frau Gleißner adressiert hat? Wie beurteilen Sie das aus klinischer Sicht? – Das Mikrofon ist aus, Herr Professor Petrides.
Herr Prof. Dr. Petrides (DGHO)
Pages 4–4
Hören Sie mich jetzt?
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 4–4
Ja, sehr gut.
Herr Prof. Dr. Petrides (DGHO)
Pages 4–5
Die Vorrednerin hat sich auf die randomisierten klinischen Studien SIMPLIFY bezogen, die zur Zulassung der Substanz geführt haben. Wir haben auf der anderen Seite weltweit die erste Real-Life-Studie, nicht Studie, sondern Analyse in Deutschland durchgeführt, in der insgesamt 64 Patienten von 92 insgesamt, die im Rahmen eines Compassionate-Use-Programmes von GSK behandelt werden konnten, analysiert wurden. Bereits in dieser Real-Life-Analyse haben wir zeigen können, dass die Patienten, die an einer transfusionsnotwendigen Anämie leiden, besonders von dem Einsatz von Momelotinib profitieren. Das ist die wesentliche Schlussfolgerung unserer Analyse, mit einer doch relativ großen Zahl an Patienten gewesen, die sich jetzt in der klinischen Praxis absolut bestätigt hat.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Danke schön, Herr Professor Petrides. – Jetzt habe ich Frau Teupen von der PatV und Frau Wilden vom GKV-SV. Frau Teupen, bitte.
Wir haben zwei Fragen an die Experten und den pharmazeutischen Unternehmer zum Endpunkt Transfusionsvermeidung. Gibt es hier eine Effektmodifikation Alter? Vielleicht können Sie dazu etwas sagen, wie Sie das aus Ihrer praktischen Erfahrung sehen. Zur Kritik vom IQWiG an den zusätzlichen Analysen zur Transfusionsunabhängigkeit, dass diese nur zur Woche 12 erhoben wurden, an den pharmazeutischen Unternehmer die Frage: Haben Sie weitere Daten zu 24 Wochen? Das waren die beiden Fragen an die Experten zur Begründung für einen möglichen Alterseffekt oder ob das eher eine andere klinische Ursache hat.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Danke schön, Frau Teupen. – Herr Petrides, bitte.
Herr Prof. Dr. Petrides (DGHO)
Pages 5–5
Wir haben unsere Analyse nicht fortgeführt. Deshalb muss ich die Frage an den pharmazeutischen Hersteller weiterleiten, ob es zum Beispiel im Rahmen eines Registers Registeranalysen gibt, mit denen man diese Fragen beantworten kann.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Danke schön, Herr Petrides. – Der pU war ohnehin im zweiten Teil gefragt. Herr Krammer, bitte.
Herr Krammer (GSK)
Pages 5–5
Zu dem ersten Punkt, der festgestellten Altersabhängigkeit der Vorteile im Endpunkt Transfusionsvermeidung: Da ist es so, dass das aus unserer Sicht klar als Zufallsbefund zu werten ist. Warum? Für die Studie SIMPLIFY-1 allein, wir hatten drei Studien dargestellt, war es so, dass wir 61 Interaktionstests im Dossier für dieses Merkmal Alter allein durchgeführt haben. Und von diesen 61 Tests war nur für diesen einen einzigen Endpunkt der Transfusionsvermeidung eine statistische Signifikanz beim Interaktionsterm sichtbar. Das heißt, bei allen anderen Endpunkten, auch bei allen anderen transfusionsbezogenen Analysen, die wir durchgeführt haben, war ein solcher Effekt nicht sichtbar. Deshalb ist es ein Zufallsbefund.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Danke schön, Herr Krammer. – Zu dem zweiten Teil, zur Kritik des IQWiG, den hatte Frau Teupen auch adressiert, Woche 12, Woche 24, auch wieder Herr Krammer.
Herr Krammer (GSK)
Pages 5–5
Zuerst ist es wichtig, festzuhalten, dass die 24 Wochen Studiendauer auch vom IQWiG und G-BA als langfristiger Therapieeffekt anerkannt werden. Über dieses halbe Jahr konnte in der Studie SIMPLIFY-1 beispielsweise gezeigt werden, dass der Anteil der Patienten, die eine Transfusionsvermeidung erreichen, also keine einzige Transfusionseinheit in einem halben Jahr erhalten, unter Momelotinib im Vergleich zu Ruxolitinib verdoppelt wird. Dementsprechend ist hier aus unserer Sicht eine langfristige Beobachtung durch die Studiendauer gegeben, die sich, wenn man sich die Open-Label-Phase weiter anschaut, bei den Patienten zeigt, die Momelotinib und danach Momelotinib erhalten, dass dieser Effekt dort über die 24-Wochen-Studiendauer hinaus erhalten bleibt, wobei das dann keine vergleichenden Daten mehr sind.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Danke schön, Herr Krammer. – Frau Teupen, Nachfrage oder ist es okay?
Die Daten liegen für Woche 24 vor? Ich kann nur sehen, dass es im Dossier steht. Darin steht, dass es nur Auswertungen zu Woche 12 und 8 gibt. Ich wollte es nur verstehen.
Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)
Pages 5–5
Herr Krammer, bitte.
Herr Krammer (GSK)
Pages 5–6
Genau. Die Daten liegen für 24 Wochen vor, und so haben wir sie auch primär im Dossier dargestellt. Das ist die anerkannte Operationalisierung. Da zeigen wir über verschiedenste Transfusionsendpunkte die ganz klaren Vorteile für Momelotinib bei weniger Transfusionen, die von den Patienten gebraucht werden.