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Oral hearing: Brexucabtagen-Autoleucel/Autologe Anti-CD19-transduzierte CD3+ Zellen (Mantelzell-Lymphom, vorbehandelte Patienten)

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gba:procedure:657
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2021-06-21

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Hearing · incoming

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Official Wortprotokoll turns

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 3–3

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich begrüße Sie ganz herzlich im Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses im §35 a-Verfahren. Wir beschäftigen uns im jetzigen Verfahren mit Tecartus, das angewendet wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom nach zwei oder mehr systemischen Therapien, die einen BTK-Inhibitor einschließen. Wir haben es mit einem Orphan zu tun; demzufolge ist die Basis der heutigen Anhörung die Dossierbewertung der Fachberatung Medizin des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 17. Mai 2021. Zu dieser Dossierbewertung haben Stellungnahmen abgegeben zum einen der pharmazeutische Unternehmer, Gilead Sciences GmbH, dann die DGHO, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Hämatologische Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapie, die DAG-HSZT, und die GLA, dann AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, MSD Sharp & Dohme GmbH, Novartis Pharma, Celgene GmbH, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und der Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Ich muss zunächst wieder die Anwesenheit feststellen, weil wir ein Wortprotokoll führen. Für Gilead sind Herr Kandlbinder, Frau Dr. Dambacher, Frau Thiele und Herr Finzsch da, Herr Professor Wörmann für die DGHO, Herr Professor Dreger für die DAG-HSZT und Herr Professor Dreyling für die GLA, Herr Dr. Rasch für den vfa, Herr Dr. Wilken und Frau Reimeir für den BPI, Herr Herold und Herr Dr. Klee für AbbVie, Frau Dr. Templin und Frau Professor Luginbuehl für Novartis, Frau Hofmann-Xu und Frau Schmidt für Celgene. – Ist außer den Vertretern der Bänke noch jemand da, der nicht aufgerufen worden ist? – Das ist nicht der Fall. Dann würde ich dem pharmazeutischen Unternehmer die Möglichkeit geben, auf den Wirkstoff, die CAR-T-Zelle und auf die Dossierbewertung einzugehen und die aus seiner Sicht wesentlichen Punkte darzustellen. Danach gehen wir in die Frage-und-Antwort-Runde. Wer macht das? Herr Kandlbinder, Sie? – Ja, bitte schön, Sie haben das Wort, Herr Kandlbinder.

Herr Kandlbinder (Gilead Sciences)

Pages 3–5

Dann fange ich gleich an. – Sehr geehrter Herr Professor Hecken! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit unserem neuen Wirkstoff Autologe Anti-CD19-transduzierte CD3-positive Zellen hat Gilead nunmehr sein zweites Produkt aus dem Bereich der Zelltherapie mit dem Markennamen Tecartus am 15. Februar 2021 in den deutschen Markt eingeführt. Tecartus wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzelllymphom, kurz MCL genannt, nach Behandlung mit Chemotherapie, einem Anti-CD20-Antikörper und einem BTK-Inhibitor. Mit Tecartus steht diesen Patienten nunmehr eine neue potenziell kurative Therapieoption als Einmalgabe zur Verfügung. Bevor wir über das Produkt sprechen, möchte ich gerne ein paar Worte zum Mantelzelllymphom und der Situation allgemein sagen, und zwar genau drei Punkte. Erstens. Das MCL ist eine aggressive B-Zell-Neoplasie des lymphatischen Systems, die ihren Ursprung in der Mantelzone von Lymphfollikeln hat. Zweitens. Das MCL folgt häufig einem aggressiven Verlauf und ist im Gegensatz zur anderen aggressiven Lymphomen und konventionellen Therapien nicht kurativ behandelbar. Trotz deutlicher Fortschritte in der Behandlung in den letzten Jahren verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen immer noch tödlich. Drittens. Generell verschlechtert sich die Prognose sogar noch für Patienten mit jeder zusätzlichen Therapielinie. Für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MCL, bei denen eine Therapie mit einem BTK-Inhibitor versagt hat, ist die Prognose besonders schlecht und das sogar unabhängig von der Folgetherapie. Hier ist Tecartus als Folgetherapie noch nicht betrachtet. Glücklicherweise reden wir von relativ wenigen Patienten, die von dieser speziellen Erkrankung betroffen sind. Gemäß der entsprechenden EU-Definition handelt es sich beim MCL um eine seltene Erkrankung mit weniger als fünf Erkrankungen pro 10.000 Personen. Umfassende und aktuelle Informationen zur Prävalenz und Inzidenz speziell für Deutschland gibt es jedoch nicht. Entsprechend eines RKI-Berichts zum Krebsgeschehen in Deutschland aus dem Jahre 2016 lässt sich eine auf die deutsche Gesamtbevölkerung gemittelte Inzidenzrate von 1,09 je 100.000 Personen ableiten. Somit sprechen wir in etwa von 105 bis 149 GKV-Patienten. Tecartus wurde von der EMA als Arzneimittel zur Behandlung von seltenen Leiden ausgewiesen, also als Orphan Drug, wie eingangs gesagt wurde. Dies wurde auch im Zulassungsprozess bestätigt. Jetzt möchte ich noch einige Zahlen zum derzeitigen Stand der Therapie mit Tecartus mitteilen. Erst einmal ist es uns wichtig, zu sagen, dass Tecartus nur an qualifizierten Zentren abgegeben werden kann, die bereits für das Zelltherapieprodukt Yescarta qualifiziert sind. Das heißt, wir reden hier von 18 von insgesamt 23 Yescarta-Centern, die derzeit für Tecartus qualifiziert sind. Das ist insofern wichtig, weil dadurch in den Zentren bereits eine große Erfahrung vorliegt. Seit Zulassung am 15. Februar wurden bislang neun Patienten apharesiert und sieben Produkte ausgeliefert. In Bezug auf die Herstellungsqualität möchten wir gerne sagen, dass im Rahmen der ZUMA-2-Studie insgesamt für 96 Prozent der Patienten die Herstellung erfolgreich war. Die Zeit zwischen Herstellung und Auslieferung liegt bei Tecartus im Schnitt bei 20 Tagen. Nun zur Bewertung des Zusatznutzens von Tecartus: Wie bereits eingangs dargestellt, sprechen wir bei der MCL über eine seltene Erkrankung – deshalb auch der Orphan-Drug-Status –, und es sind glücklicherweise wenige Patienten betroffen. Es gibt keine empfohlenen Standardtherapien. Die Erstellung von Evidenz ist deshalb gerade hier besonders herausfordernd und damit auch die Erfüllung der Vorgaben für die Nutzenbewertung. Selbstverständlich wurde die Durchführung der randomisierten Studie mit den Zulassungsbehörden diskutiert, dann aber aufgrund mehrerer Problemstellungen wieder verworfen, und zwar sah man die klassische RCT als nicht umsetzbar an, weshalb dann ein Studiendesign wie in der ZUMA-2-Studie final abgestimmt wurde. Bei der ZUMA-2 handelt es sich um eine einarmige Studie, jedoch sprechen die Ergebnisse bereits für sich, wenn man sich den primären Datenschnitt und die Follow-up-Analyse anschaut. Was sehen wir da? Erstens eine noch nie dagewesene dramatische Verbesserung der Lebensprognose für die stark vorbehandelten Patienten im Anwendungsgebiet nach Versagen einer Ibrutinib-Therapie. Die Ergebnisse sind besonders eindrücklich, da 81 Prozent der Studienpopulation bereits mindestens drei vorhergehende Therapielinien erhalten hatten. Zweitens. Das mediane Overall Survival wurde bisher noch nicht erreicht. Das heißt ein Großteil der Patienten war zum Zeitpunkt der Follow-up-Analyse noch am Leben. Drittens. In den Kaplan-Meier-Kurven zeigt sich ein stabiles Plateau, das auf ein Langzeitüberleben der Patienten hindeutet. Somit handelt es sich bei Tecartus also vermutlich um eine potenziell kurative Behandlung. Vor dem Hintergrund der AMNOG-Vorgaben wollten wir dem G-BA in unserem Nutzendossier eigentlich den ausführlichen indirekten Vergleich aus der Studie SCHOLAR-2 darstellen. Die Umsetzung und auch die Veröffentlichung von SCHOLAR-2 hatten sich aber leider aufgrund der Corona-Pandemie derart verzögert, dass wir uns zum Zeitpunkt der Dossiereinreichung anderweitig entscheiden mussten und stattdessen die Vergleichbarkeit zwischen Tecartus und dem Standard of Care, wenn man das so sagen kann, anhand eines MAIC darstellten. Der MAIC war damals zur Einreichung die best verfügbare Evidenz. Wie aber zu erwarten war, hat der G-BA in seiner Nutzenbewertung genau das kritisiert, und der MAIC wurde schließlich für die Nutzenbewertung nicht weiter herangezogen. Glücklicherweise lag uns zum Stellungnahmeverfahren die SCHOLAR-2-Studie mit patientenindividuellen Daten aus einer Kontrollgruppe vor. Wir haben diese aufbereitet und jetzt im Stellungnahmeverfahren eingereicht. Aus Sicht von Gilead kann dadurch nun auch die Vergleichbarkeit mit der ZUMA-2-Studie gezeigt werden. SCHOLAR-2 stellt aus der Sicht von Gilead einen indirekten Vergleich mit hoher Aussagekraft dar. Zudem konnte Gilead im Rahmen der Stellungnahme auch Ergebnisse einer weiteren Follow-up-Analyse, die vom 31. Dezember 2020 stammt, zu verschiedenen relevanten Endpunkten einreichen. Die mediane Beobachtungsdauer der Patienten betrug zu diesem Zeitpunkt bereits 27,4 Monate im Inferentialanalyseset bzw. 26 Monate im Fullanalyseset. Knapp zusammengefasst die Ergebnisse: 62 Prozent der Patienten erreichten im Fullset eine Complete Response. 70 Prozent davon erreichten ein Plateau, das einer dauerhaft anhaltenden krankheitsfreien Zeit mit einem Großteil der Patienten entspricht und somit auf eine potenzielle Heilung hindeutet. In Bezug auf das Overall Survival können wir sagen, dass das mediane OS weiterhin nicht erreicht wurde. Im Fullset waren weiterhin 57 Prozent der Patienten am Leben. Laut Kaplan-Meier-Schätzer beträgt die Wahrscheinlichkeit, nach 48 Monaten noch am Leben zu sein, weit über 50 Prozent. In Bezug auf die Lebensqualität kann man sagen, dass wir diese aufgrund der hohen Rücklaufquote – die war größer als 70 Prozent zum EQ-5D – in die Bewertung mit aufgenommen haben. Demnach sank die Lebensqualität nach der Infusion zwar zuerst ab, was aufgrund der Nebenwirkungen nachvollziehbar ist. Nach sechs Monaten überstieg sie jedoch die Einstiegswerte, was dann für eine eindeutige Verbesserung der Lebensqualität spricht. Zu den Nebenwirkungen ist zu sagen, dass nach Infusionsgabe bei 71 Prozent der Patienten schwerwiegende Nebenwirkungen auftraten. Dabei sind die bedeutendsten und häufigsten Nebenwirkungen das Zytokin-Freisetzungssyndrom, des Weiteren Infektionen und Enzephalopathie. Diese Nebenwirkungen sind jedoch in den Zentren hinlänglich bekannt und können sehr gut gemanagt werden. Zusammenfassend möchten wir gerne Folgendes sagen: Das MCL ist eine aggressive und meist tödlich verlaufende Erkrankung. Mit Tecartus steht nun eine potenziell kurative neue Therapie als Einmalgabe mit sehr guter Wirksamkeit zur Verfügung, bezogen auf das Überleben und das Ansprechen der Patienten, die auch den subjektiv empfundenen Gesundheitszustand verbessert. Vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund des Stellungnahmeverfahrens der eingereichten Daten, die wir jetzt nachgereicht haben, ließe sich in der Gesamtschau der Ergebnisse und vor allem insbesondere vor dem Hintergrund des Endpunktes OS ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Tecartus in der Zulassungspopulation ableiten. Damit komme ich zum Ende unserer Einleitung. – Vielen Dank.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 5–5

Ganz herzlichen Dank, Herr Kandlbinder, für diese Einführung. – Meine erste Frage geht an Herrn Wörmann, Herrn Dreger und Herrn Dreyling. Sie haben in Ihrer Stellungnahme ausgeführt, dass für eine genaue Bestimmung von KTE-X19 im Therapiealgorithmus im Augenblick noch vergleichende Daten fehlen und wünschenswert wären. Gleichwohl geben Sie insgesamt ein sehr positives Fazit ab. Meine Frage wäre: Könnten Sie eine Einschätzung zum therapeutischen Stellenwert mit all den Unwägbarkeiten, die wir im Augenblick noch haben, und zum Platz im Therapiealgorithmus, Stand heute, abgeben? Ein zweiter Punkt, der auch, glaube ich, von großer Relevanz ist: Wir haben alle gelesen, dass im EPAR kritisiert worden ist, dass die Population in der ZUMA-2-Studie nicht hinreichend ältere bzw. weibliche Patientinnen sowie Patienten mit schweren Erkrankungen repräsentiert. Könnten Sie vielleicht auch eine Einschätzung abgeben, ob das a) so ist, und b), was das möglicherweise mit den gezeigten Ergebnissen machen könnte? – Herr Wörmann hat sich als Erster gemeldet. – Herr Professor Wörmann, bitte schön.

Herr Prof. Dr. Wörmann (DGHO)

Pages 5–6

Ich würde kurz mit der Einordnung beginnen. Zum einen: Das ist das dritte CAR-T-Zell-Produkt; die ersten beiden haben wir mit sehr großem Aufwand begleitet. Das waren Kymriah und Yescarta. Inzwischen – das ist gerade angesprochen worden – gibt es durch die qualitätssichernden Maßnahmen, die wir gemeinsam intensiv diskutiert haben, einen guten Standard der Versorgung. Wenn meine Zahlen richtig sind, haben wir, glaube ich, insgesamt 28 Zentren in Deutschland, die CAR-T-Zellen regelhaft durchführen, die mit den verschiedenen Firmen unterschiedliche Verträge haben. Deshalb kam die Zahl von Herrn Kandlbinder eben zustande. Nicht alle Zentren haben Verträge mit beiden Firmen. Das Zielmolekül CD19, das wir hier angehen, ist dasselbe wie in den beiden anderen Strukturen, die wir diskutiert haben, Kymriah und Yescarta. Deshalb wundert es auch nicht, dass die Nebenwirkungen sehr überlappend sind. Aber es ist trotzdem ein ganz anderes Produkt. Was für uns die große Diskussion ist – deshalb haben wir uns in unserer Stellungnahme etwas vorsichtig ausgedrückt –: Wir sind bei der akuten lymphatischen Leukämie am Anfang mit Kymriah bei den unter 25-Jährigen ganz klar im kurativen Setting gewesen. Das heißt, das waren junge Erwachsene, bei denen wir davon ausgehen, dass wir sowieso durch die Therapie, die wir machen, eine Heilung erreichen können. Das war das, was uns am Anfang sehr beeindruckt hatte. Das war die Diskussion, die wir mit den weiteren CAR-T-Zell-Produkten bei dem diffus großzelligen B-Zelllymphom fortgeführt haben, aber auch hier eine Erkrankung, bei der wir grundsätzlich davon ausgehen, dass wir im kurativen Bereich sind. Beim Mantelzelllymphom ist das Besondere, dass wir bisher mit den Therapien, die wir einsetzen, eigentlich davon ausgehen, dass wir im nicht kurativen Setting sind, Ausnahme, wenn wir eine allogene Stammzelltransplantation einsetzen. Deshalb sind auch die Nachfolgedaten so wichtig, dass wir fast jeden Tag darauf schauen, ob das Plateau, das durch Tecartus erreicht wird, wirklich ein Plateau ist oder ob es nur eine Verzögerung mit verzögerten Rückfällen ist. Das hat einen hohen Einfluss auf den Wert, auch auf das, was wir mit den Patienten bezüglich der Erwartung an die Therapie besprechen. Das hat sicher dann auch einen Wert im finanziellen Sinne. Aber das sind die kritischen Punkte, die wir diskutieren. Die beiden Experten, die wir von uns aus haben, sind Herr Professor Dreyling und Herr Professor Dreger. Herr Dreyling ist der Experte für das Mantelzelllymphom, er hat die Leitlinien gemacht, auch auf der europäischen Ebene. Deshalb kann er, glaube ich, die Frage der Selektion und der Therapieerwartung gut beantworten. Professor Dreger ist der, der jetzt zunehmend den gesamten Bereich der qualitätssichernden Maßnahmen im Rahmen dieser Therapie koordiniert. Da geht es auch darum, wie wir bei den älteren Patienten mit dem doch nicht unerheblichen Nebenwirkungsspektrum vorgehen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Herzlichen Dank, Herr Professor Wörmann. – Dann würde ich an Herrn Dreyling und danach an Herrn Dreger weitergeben. – Herr Professor Dreyling, bitte.

Herr Prof. Dr. Dreyling (GLA)

Pages 6–7

Ich möchte mit den Einschränkungen von medizinischer Seite anfangen, die man potenziell für die Daten postulieren kann, möchte im Zweiten auf die von Ihnen aufgebrachten Fragen Therapiealgorithmus, wie es mit Genderausgeglichenheit ist und mit dem Alter der Patienten aussieht, eingehen. Erster Punkt, das hat Herr Wörmann gesagt, das Mantelzelllymphom ist ein Wanderer zwischen den Welten. Es gibt niedrig- und hochmaligne Lymphome. Das macht es etwas schwer, die Daten einzuschätzen. Aber das kann man in der zweiten und dritten Therapielinie wieder fokussieren, und speziell nach BTK-Inhibition laufen die fast alle sehr aggressiv. Punkt. In den initialen Serien konnten wir bei einem Teil der Patienten gar keine Salvage-Therapie einleiten, so schnell ist die Krankheit mit einem medianen Überleben von fünf Monaten vorangeschritten. Die Daten sehen heute etwas besser aus, muss man ehrlicherweise sagen, weil wir besser gelernt haben, diese Situation zu managen, aber auch nach den ganz aktuellen Daten, zum Beispiel mit R-BAC, das ist – ich sage jetzt mal – die Wunderkombination bei dieser Erkrankung, liegt das mediane progressionsfreie Überleben irgendwo zwischen sechs bis acht Monaten. Das heißt, wir können mit dem, was wir sonst haben, keine Langzeitremission erzielen. Obwohl diese Studie eine Phase-II-Studie ist, die keine Kontrollgruppe hat, erfüllt das für mich persönlich schon – wie sagen die Amerikaner? – the breakthrough-Indikation. Das heißt, egal, wie man die Daten interpretiert, sie sind deutlich besser als alles andere, was wir bisher hatten. Ich glaube, diese Daten werden noch mal deutlich unterfüttert bezüglich der Einleitung der ZUMA-2-Daten, weil die Daten – an denen war ich auch beteiligt; das ist ein akademisches Register, das European MCL Network – gesammelt wurden. Das sind die Patienten, die BTK-Versager waren, und die haben genau das schlechte Outcome verzeichnet, was vorher erwartet und beschrieben worden ist. Einschränkend muss man sagen, das sind retrospektive Daten, das ist die richtige Welt. Das sind also nicht die positiv selektionierten Studienpatienten, ganz klipp und klar. Jetzt aber zu den Punkten: Trotzdem ist der Unterschied so groß, dass da für mich auf jeden Fall etwas übrigbleibt; übrigens auch fürs Gesamtüberleben. Zum Punkt Therapiealgorithmus, wo sehen wir das? Wir haben aufgrund dieser Daten in der „Onkopedia“ den DGHO-Algorithmus aktualisiert. Für mich persönlich – so haben wir es auch mit den Experten aus der Schweiz und in Österreich jetzt festgehalten – – Wir sehen das als Standardoption nach BTK-Versagen, weil diese Patienten einfach sehr schlecht laufen. Für die große Masse der Patienten ist das der Einsatz – in Klammern –, akademisch für die Patienten, die erst angesprochen haben und dann progredient sind, die haben extrem schlechte Prognosen. Da gibt es im Moment aus meiner Sicht keine Alternative. Ich sehe das in der Größenordnung von der allogenen Transplantation, wenn man sich die Wirksamkeit ansieht – zur Langzeitwirksamkeit kann Herr Dreger noch etwas sagen –, aber mit einer geringeren Toxizität. Zweiter Punkt, warum so wenig weibliche Patienten: Das ist relativ einfach zu beantworten. Das ist eine Erkrankung, die schwerpunktmäßig bei Männern diagnostiziert wird, in 75 Prozent der Fälle, bei ihnen allen serienpubliziert weltweit. Das ist der Grund. Zweite Frage. Alter, ja, das ist so. In der Studie sind, wie in fast in allen Studien, überwiegend jüngere oder mittelalte Patienten; man muss vorsichtig sein, die 60-Jährigen sind nicht mehr die jungen Wilden, aber mittelalte Patienten drin. Das ist ein gewisser Selektionspunkt, den es in allen Studien gibt.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Herzlichen Dank, Herr Professor Dreyling. Bitte schön, Herr Professor Dreger.

Herr Prof. Dr. Dreger (DAG-HSZT)

Pages 7–8

Das eine war das Alter, auf das Herr Dreyling eingegangen ist. Da sehen wir mit zunehmender Erfahrung mit den Substanzen beim diffus großzelligen B-Zelllymphom, dass das Alter nicht ganz bedeutungslos ist, die Verträglichkeit aber bei sachgerechter Auswahl der Patienten und vor allem sachgerechter Anwendung doch sehr gut ist, sodass bei den Patienten, nachdem sie die stationäre Phase unter entsprechender Betreuung überstanden haben, auch nichts Gravierenderes passiert als bei jüngeren Patienten. Die Vergleichsgröße war dann in Bezug auf das kurative Potenzial, ob sich das hier realisieren lässt. Das wissen wir noch nicht, aber die Kurven sehen sehr gut aus, anders als alles andere, was wir gerade in dieser Situation beim Mantelzelllymphom sehen, gebe es als mit vergleichbarem Potenzial ausgestattete Therapie nur die allogene Stammzelltransplantation, die aber ihre toxischen Probleme mit sich bringt, gerade in der angesprochenen Altersgruppe sicher häufig nicht mehr sinnvoll anwendbar ist, vor allem aber auch sicher schlechtere Ergebnisse liefert als das, was wir jetzt in der ZUMA-2-Studie gesehen haben. Auf lange Sicht erreichen wir da nur PFS-Raten von 30 Prozent, immerhin nach zehn Jahren, aber nur bei solchen Patienten, und das waren gerade welche, die hier nicht drin waren, die eben mit sensitiver Erkrankung in die allogene Transplantation gegangen sind. Patienten, die refraktär sind, kommen bestenfalls auf 10 Prozent nach zehn Jahren, haben auch eine erhöhte Transplant Related Mortality. Insofern wäre das jetzt kein echter Vergleich oder keine echte Alternative, wenn sich die Daten, die wir hier gesehen haben, so bestätigen würden. Insbesondere muss man sagen, die Daten, die wir zur allogenen Transplantation wissen, rühren überwiegend aus Kollektiven, die BTK-naiv waren, die quasi diesen Therapieschritt gar nicht hatten, der dann noch mal zur Selektion von schlechteren Populationen führt, die am Ende hier bei Tecartus angekommen sind. Insofern würde auch aus dieser Perspektive die Einschätzung lauten, dass wir einen erheblichen Zusatznutzen für dieses insgesamt kleine Kollektiv erwarten.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Ganz herzlichen Dank, Herr Professor Dreger, für diese Ausführungen. – Bevor wir in die allgemeine Fragerunde gehen, noch zwei Fragen an den pharmazeutischen Unternehmer, wobei sich eine faktisch erledigt hat. Sie haben im schriftlichen Stellungnahmeverfahren einen neuen Datenschnitt vom 31. Dezember 2020 zur ZUMA-2-Studie eingereicht. Ich würde gerne wissen, ob es sich hierbei um einen von der EMA geforderten prädefinierten und präspezifizierten Datenschnitt handelt; das ist immer von Relevanz für uns. Die zweite Frage hat Herr Kandlbinder in seiner Einleitung faktisch schon beantwortet. Da würde ich nur noch mal gerne sichergehen. Sie haben einen neuen indirekten Vergleich, basierend auf den bereits zur Dossiererstellung vorliegenden Datenschnitt zur ZUMA-2 und zur SCHOLAR-2 vorgelegt. Da ging es darum: Weshalb passiert das erst jetzt, und welches Fazit ziehen Sie daraus? Herr Kandlbinder hat das in seiner Einführung dargelegt, dass er gesagt hat, wir haben zur damaligen Zeit Limitationen gesehen, ist kritisiert worden und haben es jetzt aufbereitet, um die Vergleichbarkeit der Daten zur ZUMA-2 zu belegen. Aber wenn Sie mir zu diesen beiden Fragen noch mal zwei Takte sagen können. Also: War der Datenschnitt zur ZUMA-2 präspezifiziert und von der EMA gefordert? Und dann einfach noch mal die Bestätigung dessen, was Sie in Ihrer Einleitung gesagt haben. – Herr Kandlbinder, wer macht das? – Herr Finzsch, bitte.

Herr Finzsch (Gilead Sciences)

Pages 8–8

Ich beantworte den ersten Teil der Frage. Ja, die Datenschnitte, die wir jetzt reingegeben haben, waren präspezifiziert im Protokoll. Es gibt in der Zukunft auch noch weitere Datenschnitte.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Okay. Danke. – Zweiter Teil, Herr Kandlbinder, war so, wie Sie es in der Einleitung gesagt haben. Sie haben die Kritik in der Dossierbewertung gesehen und dann die entsprechende Aufbereitung vorgenommen.

Herr Kandlbinder (Gilead Sciences)

Pages 8–8

Genau, so ist es gewesen. Wie gesagt, was wir uns da vorgenommen hatten, ist in diesem Sinne ein Opfer der Pandemie geworden. Man konnte Zentren nicht besuchen, man konnte die Daten nicht abholen. Insofern hat sich leider die SCHOLAR-Studie verzögert, und wir mussten für die Einpreisung einen anderen Weg wählen und konnten das im Anhörungsverfahren jetzt glücklicherweise richtigstellen.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Ist okay. Danke schön. – Dann bitte ich um Fragen seitens der Bänke. – Frau Meidtner und dann Herr Jantschak. – Frau Meidtner, Sie haben die erste Frage, danach Herr Jantschak und Frau Göppel.

Frau Meidtner ()

Pages 8–9

Ich würde gerne zu Beginn mehr als eine Frage stellen, wenn das okay ist. – Sie hatten uns erklärt, dass der Datenschnitt von der EMA gefordert war. Ich habe in den Unterlagen, die Sie bei uns eingereicht haben, keinen Studienbericht oder ein ähnliches Dokument finden können. Ich wollte fragen, ob Sie für diesen Datenschnitt schon einen Studienbericht oder einen anderen Bericht über alle für den Datenschnitt durchgeführten Analysen vorliegen haben.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 9–9

Danke. Das war Frage eins. Wer macht das? – Herr Finzsch.

Herr Finzsch (Gilead Sciences)

Pages 9–9

Das ist zurzeit in der Erstellung und muss der EMA vorgelegt werden bzw. reichen wir das gerne nach, sobald es vorliegt.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 9–9

Okay. Danke. – Frau Meidtner.

Frau Meidtner ()

Pages 9–9

Falls es noch nicht ganz finalisiert ist, würde ich gern noch fragen, ob für diese Daten, die Sie nachgereicht haben, die Datenbereinigung und Qualitätskontrollen der Datensätze und Analysen bereits abgeschlossen sind und ob Sie SAS-Outputs der im Stellungnahmeverfahren nachgereichten Daten nachliefern könnten und eventuell auch zusätzliche Angaben zum Patientenfluss. Da haben Sie bisher zwar viele Ergebnisse eingereicht, aber der Patientenfluss ist für uns nicht nachvollziehbar. Weiterhin würde ich gern fragen, warum keine Ergebnisse zu jeglichen UE nach SOC und PT vorgelegt wurden und warum die UE von besonderem Interesse, Immunogenität und sekundäre Malignität nicht betrachtet wurden.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 9–9

Herr Finzsch.

Herr Finzsch (Gilead Sciences)

Pages 9–9

Hinsichtlich des ersten Teils dieses Fragenkomplexes würden wir Ihnen die Daten nachliefern, sobald die für die EMA aufgearbeitet sind. Das sind dann wirklich ganz frische Daten, die wir jetzt erhalten haben, die auch noch nicht weiter veröffentlicht sind, sondern erst im Laufe des Sommers in einem Peer-Review veröffentlicht werden. – Zu dem zweiten Teil der Fragen würde ich an die Medical-Kollegin übergeben.