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Oral hearing: Icosapent-Ethyl (Dyslipidämie, vorbehandelte Patienten)

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2022-01-10

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Hearing · incoming

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Official Wortprotokoll turns

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 3–3

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben zwar noch zwei Minuten vor der Zeit, aber ich möchte trotzdem schon mal mit den Formalien beginnen. Ich begrüße Sie ganz herzlich im Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundeszuschusses, erster Anhörungstag im Jahr 2022. Ich wünsche Ihnen allen noch ein frohes und gutes neues Jahr und hoffe, dass wir im Laufe des Jahres zu etwas mehr Normalität kommen, als wir in den letzten beiden Jahren hatten. Die Anhörungen heute sind wieder digital, und wir haben jetzt konkret Markteinführung Icosapent-Ethyl, angewendet im Indikationsgebiet Reduzierung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse bei Erwachsenen mit hohem kardiovaskulären Risiko und erhöhten Triglyceridwerten. Basis der heutigen Anhörung ist die Dossierbewertung des IQWiG vom 29. November 2021, zu der Stellung genommen haben zum einen der pharmazeutische Unternehmer Amarin Pharmaceuticals Ireland Limited, AMGEN GmbH, Daiichi Sankyo und dann eine gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, der Dachgesellschaft Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen e. v., der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen, also der Lipid-Liga, der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, und wir haben eine Stellungnahme des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller. Ich muss zunächst, weil wir auch heute wieder ein Wortprotokoll führen, die Anwesenheit kontrollieren. Für den pharmazeutischen Unternehmer, also namentlich für Amarin Pharmaceuticals Ireland Limited, müssten zugeschaltet sein Herr Zuther, Herr Dr. von Stritzky, Herr Dr. Guhl und Herr Dr. Greiner, für die Deutsche Diabetes Gesellschaft erneut Herr Dr. Müller-Wieland, Frau Dr. Vogt und Herr Professor Dr. Schettler für die DGFF und die Lipid-Liga, dann Herr Professor Laufs, Kardiologie Herz- und Kreislaufforschung, Herr Professor Merkel, auch zum zweiten Mal, für die DGE, und Herr Professor Sauerbruch, auch zum zweiten Mal für die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, Frau Tabbert-Zitzler und Frau Stein für AMGEN, Frau Dr. Claes und Herr Dr. Becker für Daiichi und Herr Dr. Rasch vom vfa. Dann frage ich: Ist noch jemand dabei, der nicht aufgerufen wurde? – Das ist nicht der Fall. Dann gebe ich dem pharmazeutischen Unternehmer zunächst die Gelegenheit, einzuführen und danach machen wir unsere bekannte Frage-und-Antwort-Runde. Wer macht das für den pU? – Herr Zuther.

Herr Zuther (Amarin)

Pages 3–4

Danke schön für die einleitenden Worte. Zu Beginn schlage ich vor, dass ich Ihnen kurz unsere Delegation und ihre Funktionen vorstelle. Herr Dr. Bernd von Stritzky ist Internist und Leiter unserer medizinischen Abteilung, Herr Dr. Guhl ist Arzt und leitet bei uns den Market Access, Herr Dr. Greiner ist Diplom-Biologe und vertritt bei uns den Bereich Methodik und Statistik. Mein Name ist Thomas Zuther, ich bin Diplom-Biologe und der Geschäftsführer von Amarin Germany GmbH. Wir sind der örtliche Vertreter der irischen Muttergesellschaft. Zu Beginn nur wenige Sätze zu Amarin: Wir sind noch neu am Markt, nicht alle mögen uns kennen. Ich verspreche, es dauert nicht lange. Amarin ist etwa 20 Jahre alt, hat seine Ursprünge in Irland und befasst sich seit etwa 2000 mit der Entwicklung von IPE, in jüngster Zeit ausschließlich in Herz-Kreislauf-Indikationen. Die erste Zulassung erfolgte in den USA zuerst in Nischenindikationen, und mit diesen ersten Einnahmen entschloss man sich, eine große kardiovaskuläre Outcome-Studie zu beginnen; ein großes Unterfangen für eine kleine und junge Firma. Begonnen wurde die REDUCE-IT-Studie, eine der wesentlichen Endpunktstudien im Bereich Herz-Kreislauf mit 8.000 Patienten und einer Studiendauer von fast fünf Jahren. Diese führte schlussendlich zur ersten Zulassung auch in Europa, die im März 2021 erteilt wurde. Bereits vor Erteilung der Zulassung erfolgten die Klasse-II-Empfehlungen von internationalen Gesellschaften. Wir gründeten im Dezember die deutsche Niederlassung, die in Frankfurt beheimatet ist. Vorletztes Jahr, Ende 2020, waren wir noch zu zweit, und jetzt sind wir damit beschäftigt, den Innen- und Außendienst aufzubauen und unser Produkt zu vertreiben. – So viel dazu. Aber nun zum Wesentlichen, unserem Beitrag zur Nutzenbewertung. Folgendes ist mir wichtig: Das Icosapent-Ethyl, das in Deutschland unter dem Handelsnamen Vaskepa vertrieben wird, ist kein Cholesterin- und kein Triglyceridsenker. Es ist vielmehr entwickelt und zugelassen zur Reduzierung von kardiovaskulären Ereignissen, des kardiovaskulären Risikos; wir nennen es auch das residuale Risiko. Es ist wichtig und bedeutsam; denn nach wie vor sind kardiovaskuläre Ereignisse die Todesursache Nummer eins in Deutschland und führen zu über 3.000 Toten. Das Anwendungsgebiet lautet dementsprechend Reduzierung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten mit hohem Risiko, die mit Statin behandelt sind und erhöhte Triglyceride haben – etwas verkürzt. Die pivotale REDUCE-IT-Studie war eine ereignisgetriebene Studie und hatte harte Ausgangsendpunkte und keine Surrogatparameter, welche untersucht wurden. Das Resultat ist aus unserer Sicht bedeutsam, unter anderem mit einer 25-prozentigen Risikoreduktion in 5.0 MACE und einem positiven Effekt auf die kardiovaskuläre Mortalität. Das ist in höchstem Maße patientenrelevant – und das bei Patienten, die mit Statin und Ezetimib zum Teil vorbehandelt und gut eingestellt sind und nochmals mit einem sehr guten Nebenwirkungsprofil. Zweitens, und das ist uns besonders wichtig: Aus Sicht von Amarin handelt es sich bei der REDUCE-IT um eine direkt vergleichende Studie, und sie setzt die vom G-BA vorgegebene zweckmäßige Vergleichstherapie um; denn die eingeschlossenen Patienten, die mit einer stabilen Statindosis in die Studie aufgenommen wurden, konnten in beiden Studienarmen gemäß der Anforderungen des G-BA eine Anpassung der Basis- oder Begleitmedikation am jeweiligen Bedarf nach ärztlicher Maßgabe erfahren. Damit erfolgt die Behandlung leitliniengerecht, und wir erwähnen nochmals die sehr guten LDL-Werte während der Studie. Wir verweisen auch auf die nationale Versorgungsleitlinie chronische KHK aus dem Jahr 2019. Wir haben unterschiedliche Therapieansätze bezüglich lipidsenkender Therapie beschrieben, die Strategie der festen Dosis und die Zielwertstrategie. Auch gemäß diesen Therapiestrategien sehen wir die zVT in der REDUCE-IT als leitliniengerecht an. Aus Sicht von Amarin ist nachgewiesen, dass IPE für die Gesamtpopulation das kardiovaskuläre Risiko statistisch signifikant und klinisch relevant reduziert. Unabhängig davon wirkt Icosapent-Ethyl über alle LDL-C-Ausgangswerte hinweg. Alle Subgruppen profitieren von einer Behandlung. Es gibt keine feststellbare Heterogenität zwischen den Subgruppen, insbesondere der Gruppe unter 55 mg/dl, der Gruppe unter 70 mg/dl und der Gesamtpopulation. In der Gruppe mit den geringsten LDL-C-Ausgangswerten, der Gruppe unter 55 mg/dl, für die zweifelsfrei keine weitere Therapieeskalation erforderlich ist, ist das Icosapent-Ethyl gleichermaßen wirksam. Alle gemessenen Effekte sind damit der Wirkung von Icosapent-Ethyl zuzuschreiben; denn wir stellen auch keine Heterogenität zwischen den Gruppen fest. Aus unserer Sicht sind die REDUCE-IT-Ergebnisse damit valide und entsprechen den Anforderungen der zVT gemäß des G-BA. Wir freuen uns, mit Icosapent-Ethyl für alle Patienten in dieser Indikation eine wertvolle neue Therapieoption zur Vermeidung von ersten oder erneuten kardiovaskulären Ereignissen zur Verfügung stellen zu können. Eine wichtige neue Therapieoption zur Risikosenkung, die über das LDL-C-Management hinausgeht, ist ein deutlicher Mehrwert für die Patienten und belegt aus der Sicht von uns als pharmazeutischem Unternehmer einen Zusatznutzen. – Herzlichen Dank.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 4–5

Ganz herzlichen Dank, Herr Zuther, für diese Einführung. Zunächst eine formale Bemerkung. Herrn Professor März für die DGG hatte ich eben nicht aufgerufen, er ist auch zugeschaltet. Ich begrüße ihn ganz herzlich. Ich hatte vergessen, ihn aufzurufen. – Meine erste Frage geht an die Kliniker und knüpft an das an, was Sie ausgeführt haben, Herr Zuther: Ist die Studie jetzt hier bewertbar, ja oder nein? Wie sieht es mit der Umsetzung der zweckmäßigen Vergleichstherapie aus? Mich würde von den Klinikern interessieren, weil Sie maßgeblich in Ihrer Stellungnahme darauf abstellen, wie der Stellenwert, wie von Icosapent im Vergleich zu anderen Therapieoptionen im vorliegenden Anwendungsgebiet eingeschätzt wird. Dann, was die Verwertbarkeit der Studie angeht: Wurden nach Ihrer Ansicht die Patientinnen und Patienten in der Studie REDUCE-IT adäquat behandelt, und erfolgte eine ausreichende Anpassung der Basis- und Begleitmedikation? Dazu könnte vielleicht auch der pU seine Einschätzung abgeben, aber primär geht es an die Kliniker. Dann hat es sowohl bei der FDA als auch bei der EMA Kritik an der Verabreichung von Mineralöl als Placebo gegeben. Da stellt sich die Frage, wie man das aus Sicht der Kliniker einschätzt. Das ist aber nicht der relevante Punkt, sondern eine kleine Petitesse am Rande. Wer möchte von den Klinikern etwas zum Stellenwert im Vergleich zu anderen Therapieoptionen und zur Umsetzung der zVT zur adäquaten Behandlung im Vergleichsarm sagen? – Ich sehe Herrn Professor Laufs, bitte schön.

Herr Prof. Dr. Laufs (DGK)

Pages 5–5

Vielen Dank. – Erstens gibt es keine Frage, dass wir vor dem Hintergrund der Morbidität und Mortalität, insbesondere für Frauen, von kardiovaskulären Erkrankungen zusätzliche Therapieoptionen brauchen, dass wir hier eine Studie vor uns haben, die eine Laufzeit von 4,9 Jahren hatte, also eine lange Laufzeit, die wir bei anderen Sitzungen häufig diskutiert haben mit einem klaren randomisierten Design zu einer wichtigen Frage mit relevanten klinischen Endpunkten, die von der Prävalenzrate klar zu beurteilen ist. Das war zwischen den Fachgesellschaften völlig unstrittig. Ausdrücklich zu betonen ist, dass wir uns nachdrücklich über die klare Stellungnahme des IQWiG zur Bedeutung des LDL-Cholesterins als Therapieziel gefreut haben. Das möchten wir hier betonen, und ich persönlich würde mich freuen, wenn das ins Protokoll Eingang finden könnte; das ist ein ganz wichtiger Punkt. Trotzdem ist es so, dass wir an dieser Stelle anmerken müssen, dass wir hier keine LDL-senkende Substanz in der klinischen Prüfung hatten. Das heißt, die LDL-Senkung per se war kein Therapieziel, und die Substanz hat vom Wirkmechanismus her keine LDL-senkende Wirkung. Dementsprechend haben wir auch – das haben wir gerade gehört – keine Heterogenität in den LDL-Subgruppen. Trotzdem ist es wichtig, dass die Patienten gut behandelt waren, und das war tatsächlich in besonderer Weise der Fall, besser, als wir das bei zahlreichen anderen klinischen Studien gesehen haben. Wenn wir uns überlegen, welche Zielwerte zu welchem Zeitraum gelten, dann muss man letztlich sagen, dass die 2019er-LDL-Zielwerte der ESC/EAS, auf die das IQWiG zu Recht rekurriert, de facto nur mit einer breiten PCSK9-Hemmertherapie erreichbar gewesen wären. Das ist vielleicht zu beurteilen, wenn man nachher über einen möglichen Aufwand für die Solidargemeinschaft diskutiert. Über die Titration haben wir in der Vergangenheit häufig diskutiert. Titration während des Studienverlaufs ist eine Forderung, die die Durchführung von klinischen Studien de facto unmöglich machen würde, auch das Optimieren von LDL-Cholesterin, so wichtig uns das allen ist, wir haben keine LDL-senkende Substanz. Das Gleiche müsste man fordern für alle Domänen der kardiovaskulären Medizin. Das in einer Titrationsforderung würde die Durchführung von klinischen Studien in Konsequenz letztlich ad absurdum führen. Wir haben auch keine pathophysiologische Rationale, die LDL-Senkung zu fordern, weil wir keine LDL-senkende Substanz vor uns haben. Wir haben über die fehlende Heterogenität in den Subgruppen gesprochen. Die zitierten Leitlinien empfehlen letztlich gerade die Therapie. Vielleicht abschließend noch ein Punkt, weil Sie uns als Kliniker angesprochen haben, der von besonderer Bedeutung ist: Wir haben hier nach der Studienlage eine ausgesprochen gute Verträglichkeit vor uns, und es gibt im Prinzip kaum eine Substanz in der kardiovaskulären Sekundärprävention, die ein derartiges Verträglichkeitsspektrum aufweisen kann.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 5–5

Herzlichen Dank, Herr Professor Laufs. – Jetzt habe ich Herrn Professor März, bitte.

Herr Prof. Dr. März (DDG)

Pages 5–6

Ulrich Laufs hat mir schon vieles vorweggenommen. Ich möchte vielleicht noch einen Punkt akzentuieren. Wir haben es hier mit einem Ereignisreduzierer und nicht mit einem Lipidsenker zu tun. Zweckmäßige Vergleichstherapie ist insofern sinnvoll und nützlich, weil für jeden kardiovaskulären Patienten eine optimierte Lipidtherapie günstig ist. Aber das Koordinatensystem, in dem sich die Beurteilung bewegt, ist an sich verschoben. Es geht hier nicht um Lipidsenkung, sondern Omega-3-Fettsäuren sind bioaktive Moleküle, die ins Inflammationsgeschehen, in Endothelzellfunktion, in Entzündung eingreifen, und insofern muss man die Effekte hier als, ich würde mal sagen, pharmakologischen Effekt der Omega-3-Fettsäuren begreifen und nicht als Folge der Lipidsenkung. Ich finde, man bewegt sich damit in einem ganz anderen Koordinatensystem. Zweckmäßige Vergleichstherapie ist well taken. Vielleicht noch einen Punkt, den Ulrich Laufs nicht erwähnt hat: Die zweckmäßige Vergleichstherapie bzw. die Einstellung dieser Patienten war weit besser, als das, was wir in der Versorgungsrealität in Deutschland und in vielen anderen Ländern – ich will nicht spezifisch Deutschland herausheben – de facto sehen. Insofern glaube ich, die Studienergebnisse sind valide. Wir haben in vielen dieser Besprechungen immer diskutiert, ob sich eine LDL-senkende Wirkung in eine Endpunktreduktion übersetzen lässt. Jetzt haben wir eine Endpunktstudie, dann sollten wir die auch glauben und akzeptieren, ist meine Meinung.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Danke schön. – Jetzt habe ich Herrn Professor Schettler, Frau Dr. Vogt, dann Herrn Vervölgyi vom IQWiG und Frau Bickel von der KBV. – Herr Schettler, dann Frau Vogt.

Herr Prof. Dr. Schettler (Lipid-Liga + DGFF)

Pages 6–6

Vielen Dank für die Möglichkeit, sich äußern zu können. – Ich schließe mich den Vorrednern an, die schon die wichtigsten Dinge zusammengefasst haben. Ergänzend erlaube ich mir, noch zwei Dinge zu erwähnen. Es ist schon vorgestellt worden, dass wir die Zusammensetzung der Lipoproteine günstig verändern. Diese Zusammensetzung wirkt sich nicht auf die Höhe, sondern auf die Qualität der Lipoproteine aus, und erst durch diese Veränderung haben wir, ich sage mal, ein Herunterregulieren der Inflammationskomponente, was möglicherweise nicht nur durch LDL, sondern auch andere Lipoproteine wie VLDL zu beobachten ist. Das ist möglicherweise die eine Erklärung, warum wir da einen Effekt sehen. Die zweite Sache ist die Mineralölgeschichte, die Sie vorhin angesprochen haben. Deshalb gehe ich auf diese ein. Nein, ich muss sagen, das ist eine sehr unglückliche Übersetzung; denn das, was in dem amerikanischen oder englischen Bereich als Mineralöl eingebracht wird, ist eigentlich in Deutschland das Weißöl. Ich weiß nicht, ob wir in unserer Runde einen Pädiater oder vielleicht zumindest vorwiegend im pädiatrischen Bereich tätige Kolleginnen und Kollegen haben, so muss man doch erwähnen, dass dieses Weißöl auch als Abführmittel bei Kleinstkindern oder Kindern eingesetzt wird. Ich glaube, da sind wir uns sehr schnell einig, dass solche Substanzen durchaus nicht als schädlich zu interpretieren sind. – Das vielleicht noch als Nuance und Ergänzung dazu.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Danke schön. – Wenn ich Zyniker wäre, würde ich sagen, Mineralöl ist heute auch zu teuer, um es als zweckmäßige Vergleichstherapie im Placeboarm einzusetzen. Aber das sage ich natürlich nicht, da ich kein Zyniker bin. – Jetzt habe ich Frau Dr. Vogt, dann Herrn Professor Sauerbruch, Herrn Vervölgyi, Frau Bickel und Frau Kunz vom GKV-SV. – Bitte schön, Frau Dr. Vogt.

Frau Dr. Vogt (Lipid-Liga + DGFF)

Pages 6–6

Ich unterstreiche auch alles, was meine Vorredner gesagt haben und wollte noch auf einen Punkt eingehen, den Sie in Ihrer Frage formuliert hatten, wie wir die Substanz zu den vergleichbaren Therapeutika einordnen. Dazu ist zu sagen, dass es kein vergleichbares Therapeutikum gibt. Das ist ein uniques Präparat, und damit kann man es nicht mit den bisher als Omega-3- und den verschiedenen frei verkäuflichen Präparaten irgendwie gleichsetzen. Es ist etwas ganz Eigenes, Eigenständiges.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 6–6

Herzlichen Dank, Frau Dr. Vogt. – Jetzt Herr Professor Sauerbruch.

Herr Prof. Dr. Sauerbruch (DGIM)

Pages 6–7

Die DGIM als Dachgesellschaft trägt den Kommentar mit. Es gibt eine Sache – wir haben heute Vormittag über die SGLT2-Hemmer gesprochen –: Die Evidenz ist durch nicht so viele Studien gesichert wie das. Wir haben hier eine wirklich überzeugende Studie. Die DGIM macht nur den Punkt, dass man das auf die Einschlusskriterien beschränkt, die in dieser Studie angewandt wurden, und dass man in weiteren Beobachtungen dieses Medikaments auch auf die Nebenwirkung Vorhofflimmern achten sollte. – Vielen Dank.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Ganz herzlichen Dank, Herr Professor Sauerbruch, ein ganz wichtiger Hinweis. – Herr Vervölgyi, IQWiG, dann Frau Bickel, KBV, dann Frau Kunz, GKV-SV. – Bitte schön, Herr Vervölgyi.

Herr Dr. Vervölgyi ()

Pages 7–7

Vielen Dank. – Ich möchte auf das eingehen, was der Hersteller gesagt hat, und auch auf das, was die Fachgesellschaften gerade gesagt haben. Erst einmal finde ich auch, dass man betonen muss, dass dies eine große Endpunktstudie ist. Das ist sicherlich zu begrüßen. Die Frage ist nur, inwiefern sie die Fragestellung der Nutzenbewertung abbildet. Natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, das Icosapent-Ethyl wirkt nicht auf den LDL-C-Wert; das sieht man auch. Der LDL-C-Wert ändert sich in der Studie überhaupt nicht. Aber wir haben noch eine Vergleichsgruppe. In der Vergleichsgruppe – das haben Sie alle bestätigt – ist die zweckmäßige Vergleichstherapie eine maximal tolerierte Statindosis plus Ezetimib. Diese Medikamente wirken schon auf den LDL-C-Spiegel. Wenn man sich dann fragt, ob die Patienten in der Studie adäquat behandelt sind, wird man das in der Studie am LDL-C-Wert festmachen müssen. Die Studienärztinnen und -ärzte waren gegenüber dem LDL-C-Wert verblindet. Deshalb konnten die in der Studie anhand dieses Markers nicht richtig therapieren. Insofern frage ich mich schon, inwiefern das in der Studie so war, dass die Patienten adäquat behandelt worden sind, insbesondere im Vergleichsarm. Sie haben eben gesagt, Herr Laufs, dass Sie betonen wollen, dass wir das LDL-C als Therapieziel ansehen. Ich würde eher sagen, dass es ein Wert zur Therapiesteuerung ist. So ist es in den Leitlinien beschrieben, und so haben wir das hier auch gesehen. Ich glaube, man muss insgesamt zwei Sachen trennen. Das eine ist, ob die zVT in dieser Studie umgesetzt ist. Erst mal muss man sagen, die Patienten sollten mit einer stabilen Statindosis in die Studie gehen und während der Studie möglichst gleichgehalten werden. Wenn die über einen bestimmten Wert von 130 mg/dl kamen, dann durfte angepasst werden. Ob das tatsächlich eine angemessene individuelle Anpassung in der Studie ist, die immerhin fünf Jahre dauert, weiß ich nicht. Das Zweite ist, zu schauen, ob die Ergebnisse dieser erst mal placebokontrollierten Studie, die auf die Zulassung ausgerichtet ist, um den reinen Effekt von Icosapent-Ethyl zu zeigen, tatsächlich auf die Fragestellung der Nutzenbewertung, nämlich gegenüber einer maximal tolerierten Statindosis plus Ezetimib anzuwenden sind. Das wäre die zweite Frage, die man sich stellen muss. Der Hersteller hatte die Daten der Patienten unter 55 mg/dl zu Studienbeginn genannt, dass es da auch zu Effekten kommt. Wenn man sich die Subgruppenergebnisse insgesamt anschaut, kann man sich schon fragen, ob das alles so konsistent ist wie es gerade dargestellt wird. Schaut man sich zum Beispiel die Subgruppe der Patienten an, die schon zu Studienbeginn gleichzeitig Ezetimib bekommen haben, bei denen man vielleicht davon ausgehen kann, dass sie maximal austherapiert sind, da sieht man gar nichts mehr. Man sieht auch, beim Gesamtüberleben geht der Effektschätzer sogar in die andere Richtung. Von daher muss man sich schon fragen, ob diese Studie tatsächlich auf die Fragestellung, die wir hier haben, anzuwenden ist.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 7–7

Danke schön, Herr Vervölgyi. – Meine herzliche Bitte: Wenn Sie sich zu Wort melden, bitte im Chat schreiben. Wir sehen zwar einzelne Winkefingerchen, ich sehe Sie aber nicht alle vor mir. Deshalb sind wir im Augenblick damit beschäftigt, die Bildschirme durchzuscrollen, und dafür ist die Zeit eigentlich zu schade. – Ich habe jetzt Herrn Professor März, dann Herrn von Stritzky für den pharmazeutischen Unternehmer, Herrn Professor Müller-Wieland und danach Frau Bickel von der KBV und Frau Kunz vom GKV-Spitzenverband. Aber der pU, Herr März und Herr Müller-Wieland jetzt zu den Anmerkungen von Herrn Vervölgyi. – Herr Professor März.

Herr Prof. Dr. März (DDG)

Pages 8–8

Noch mal kurz zum Thema Vergleich mit Lipidsenkern: Ich wollte es einmal rhetorisch überspitzen. Man hätte in dieser Studie mit gleicher Berechtigung – denn das Therapieprinzip ist etwas völlig anderes als ein Lipidsenker – fordern können, dass der Blutdruck optimal eingestellt ist. Wir sollten uns – das hat Herr Vervölgyi ein bisschen gemacht – nicht so sehr an LDL-Senkung, Lipidmodifikation usw. anlehnen. Von der Frage, ob die Forderung einer optimalen, einer intensiven oder was auch immer LDL-senkenden Therapie hier eine zweckmäßige Vergleichstherapie ist, sollte man sich lösen. Wir haben es mit einem grundsätzlich anderen Therapieprinzip zu tun.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Danke schön, Herr März, wobei hier im Anwendungsgebiet die Lipidsenker eine andere Bedeutung als der Blutdrucksenker haben. Aber, wie gesagt, ich habe nur Jura studiert. – Herr von Stritzky und dann Herr Müller-Wieland.

Herr Dr. von Stritzky (Amarin)

Pages 8–8

Vielen Dank, Herr Professor Hecken. – In der REDUCE-IT-Studie waren die Patienten gut und stabil und leitliniengerecht eingestellt. Eine patientenindividuelle Anpassung der Statindosis nach Maßgabe des Arztes, wie es der G-BA gefordert hat, erfolgte vor Studienbeginn, also vor Randomisierung auf die Studienmedikation – übrigens ein relevanter Unterschied zur IMPROVE-IT-Studie. Ich wiederhole: Die Patienten waren gut eingestellt, das LDL lag im Median bei 75 mg/dl. Wie das IQWiG sehr zutreffend in seiner Dossierbewertung konstatiert hat, hatten etwa 40 Prozent der Patienten ein Hochdosisstatin. Da war nichts mehr zu optimieren. Ich ergänze auch: Eine patientenindividuelle Anpassung der Statindosis während der Studie war möglich und wurde ausgeführt. Das erfolgte in beiden Armen gleichzeitig, insofern auch keine Verzerrung. Die LDL-Werte in der REDUCE-IT, die ich eben nannte, mit 75 – da sind die Patienten überdurchschnittlich gut behandelt. Sie liegen damit um 20 mg/dl LDL besser als Patienten in der Versorgungsrealität in Deutschland. Zum Thema Versorgungsrealität können vielleicht auch die klinischen Kollegen beitragen. Sie haben dazu, so viel ich weiß, eigene Daten. – So viel vielleicht vonseiten des pU.

Herr Prof. Hecken (Vorsitzender)

Pages 8–8

Danke schön. – Jetzt hat sich Herr Dr. Greiner vom pU noch gemeldet. Ist das dazu, Herr Greiner?

Herr Dr. Greiner (Amarin)

Pages 8–8

Jawohl, das ist genau dazu, Herr Professor Hecken. – Zu der letzten Bemerkung von Herrn Vervölgyi, dass bei Ezetimib kein Effekt zu sehen ist bzw. dass ein gegenläufiger Effekt in dieser Subgruppe zu sehen sei, ist zu sagen, dass die Studie selbstverständlich nicht auf Ezetimib stratifiziert ist. Um hier an meine Vorredner anzuschließen: 6 Prozent der Patienten erhielten Ezetimib, und dies entspricht durchaus der Versorgungsrealität. – Danke schön.