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Oral hearing: Axicabtagen-Ciloleucel (Neubewertung nach Fristablauf: diffus großzelliges B-Zell-Lymphom und primäres mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom, nach mind. 2 Vortherapien)

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gba:procedure:833
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2022-09-26

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Hearing · incoming

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Official Wortprotokoll turns

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 4–4

Guten Morgen, meine Damen und Herren! Es ist 10 Uhr. Ich begrüße Sie sehr herzlich zu der heutigen Sitzung des Unterausschusses. Sie werden sich wundern, warum ich jetzt hier sitze: Herr Hecken und Herr Zahn lassen sich entschuldigen. Deswegen muss ich ausnahmsweise einspringen und Sie durch diese Anhörungen führen. Wir führen Wortprotokoll; deswegen wird auch alles, was heute hier gesprochen wird, natürlich auch den Unparteiischen zur Verfügung gestellt werden und entsprechend diskutiert und gewürdigt werden. Wie gerade gesagt, es wird Wortprotokoll geführt. Deswegen bitte ich Sie, dass Sie immer, wenn Sie eine Wortmeldung haben, vorab noch einmal Ihren Namen zu sagen. Es ist nämlich auch für unsere Stenografen nicht immer so leicht zuzuordnen, wer gerade etwas gesagt hat. Hinsichtlich des Aufrufens erkenne ich Sie immer am besten, wenn Sie ein „X“ in den Chat setzen. Wenn Sie analog winken, ist es manchmal für mich ein bisschen schwierig zu erkennen, weil ich nicht alle Fenster auf einmal vor mir habe. – Das war es eigentlich zu den Housekeeping Rules, die Ihnen, glaube ich, bereits hinlänglich bekannt sind. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, das immer noch einmal erwähnt zu haben. Beginnen wir nun mit der Anhörung zu Axicabtagen-Ciloleucel. Hier haben wir eine erneute Bewertung nach Fristablauf. Wir hatten dieses Verfahren schon einmal vor einiger Zeit und haben uns nun die neuen Daten erneut angeschaut. Zu diesem Verfahren sind wir dankbar für viele Stellungnehmer. Schriftlich Stellung genommen hat Gilead Sciences als betroffener pharmazeutischer Unternehmer. Von den Klinikern war die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie sowie die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Hämatopoetische Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapien dabei. Des Weiteren haben viele pharmazeutische Unternehmen Stellung genommen, nämlich MSD, Roche, Galapagos Biopharma, Bristol-Myers Squibb, Novartis, Swedish Orphan Biovitrum, und ferner sowohl der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie als auch der Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Ich gehe jetzt einmal diejenigen durch, die heute anwesend sein sollten, und ich bitte Sie um ein akustisches Signal, ob Sie anwesend sind: Von Gilead sind Herr Finzsch, Frau Dr. Höhne, Frau Richter und Frau Dr. Prasad zugeschaltet. Von den Klinikern, der DGHO, sind Herr Professor Dr. Chapuy und Herr Professor Dr. Lenz bislang nicht zugeschaltet. Da bitte ich bei uns im Sekretariat ein bisschen aufmerksam zu bleiben, falls sich jemand noch einwählt. Zugeschaltet für die DGHO ist Herr Professor Wörmann, ebenso von der DAG-HSZT Herr Professor Dr. Bethge und Herr Professor Dr. Dreger sowie Herr Professor Dr. Glaß für die German Lymphoma Alliance. Dann geht es weiter mit den Vertretern der pharmazeutischen Industrie: Zugeschaltet sind Frau Pfitzer und Frau Dr. Art von MSD, Frau Dr. Riplinger und Herr Martin von Roche, Herr Dr. Wilken und Frau Reimeir vom BPI sowie Herr Poker von Galapagos Biopharma. Herr Dr. Rosin von Galapagos ist noch nicht eingewählt. Zugeschaltet sind ferner Frau Pedretti und Frau Dr. Möhlenbrink von BMS, Herr Dr. Stemmer und Frau Dr. Templin von Novartis, Frau Dr. Glockner und Frau Dr. Thomsen von Swedish Orphan sowie Herr Dr. Busilliat vom vfa. – Soweit ich es mitbekommen habe, funktionieren alle Mikrofone; das ist immer schon die erste Herausforderung. Dann bitte ich jetzt die Vertreter der pharmazeutischen Industrie von der Firma Gilead, die ersten einführenden Worte zur Vorstellung und zu Ihrer Stellungnahme zu sagen. Wer macht das von Gilead? – Herr Finzsch, bitte, legen Sie los.

Herr Dr. Finzsch (Gilead)

Pages 5–6

Sehr geehrte Frau Dr. Behring! Sehr geehrte Damen und Herren! Gerne möchte ich vorab meine Kolleginnen vorstellen, die mich heute begleiten. Zum einen ist das Frau Dr. Vidya Prasad aus der Abteilung Market Access, die die Dossiererstellung betreut hat, Frau Swantje Richter als Biostatistikerin und Frau Dr. Kristin Höhne aus der Abteilung Medical Affairs. Mein Name ist Markus Finzsch, und ich bin innerhalb der Abteilung Market Access für die Produkte der Zelltherapie und Onkologie verantwortlich. Axicabtagen-Ciloleucel – ich werde hierfür die Abkürzung Axi-Cel verwenden – ist bereits im August 2018 von der Europäischen Kommission zugelassen worden, und zwar zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom, DLBCL, und mit primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom, PMBCL, nach zwei oder mehr systemischen Therapien. Auf dieses Anwendungsgebiet bezieht sich die heutige Anhörung. Darüber hinaus wurde Axi-Cel am 21. Juni 2022 von der Europäischen Kommission zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom, FL, nach drei oder mehr systemischen Therapien zugelassen. Am 16. September 2022 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur Axi-Cel zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit DLBCL und hochmalignem B-Zell-Lymphom, HGBL, das innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär ist, empfohlen. Basis der Zulassung im heute zu besprechenden Anwendungsgebiet Drittlinie DLBCL und PMBCL ist die ZUMA-1-Studie, eine prospektive, offene, multizentrische, einarmige Phase-I/II-Studie. Ebenfalls auf Basis der ZUMA-1-Studie wurde der Zusatznutzen von Axi-Cel durch den G-BA erstmals am 2. Mai 2019 bewertet und die Geltungsdauer des Beschlusses bis zum 15. Mai 2022 begrenzt, da eine Behandlung mit Axi-Cel zum damaligen Zeitpunkt einen neuartigen Therapieansatz darstellte und dessen langfristige Effekte, insbesondere einer potenziellen Heilung der Patienten, nicht vollumfänglich beurteilt werden konnten. Die Befristung erfolgte unter der Auflage, dass wir eine erneute Nutzenbewertung vorlegen und die Ergebnisse der ZUMA-1-Studie nach 60 Monaten inklusive Daten zu allen patientenrelevanten Endpunkten, zu den Patientencharakteristika, zum Patientenfluss und zum Studienverlauf eingereicht werden sollen. Gilead Sciences ist den Auflagen der Befristung nachgekommen und hat zum 15. Mai 2022 die vom G-BA geforderten Daten zur erneuten Nutzenbewertung eingereicht. Für das Gesamtüberleben liegen die 60-Monats-Daten zum Datenschnitt vom 11. August 2021 vor. In der ZUMA-1-Studie lag die Überlebensrate nach 60 Monaten bei 42,6 Prozent. Damit ist fast die Hälfte der Patienten auch fünf Jahre nach der Behandlung mit Axi-Cel noch am Leben. Insbesondere vor dem Hintergrund der stark vorbehandelten Patientenpopulation mit einer ansonsten sehr schlechten Prognose stellt dies eine nachhaltige und bisher nicht beobachtete Verbesserung des therapierelevanten Nutzens dar. Die Kaplan-Meier-Kurve zum Gesamtüberleben in der ZUMA-1-Studie zeigt ein stabiles Plateau, das auf ein Langzeitüberleben der Patienten hindeutet. Patienten, die auf eine Therapie mit Axi-Cel ansprechen, haben circa ab dem 16. Monat nach der Behandlung kein erhöhtes Risiko mehr, zu versterben. Es gibt somit anhand des Gesamtüberlebens keine Anzeichen dafür, dass die Erkrankung nach einer gewissen Zeit rezidiviert. SCHOLAR-1, eine auf Patientenebene erstellte gepoolte Analyse, die sowohl die Zulassung mitbegründet hat als auch bei der Erstbewertung durch den G-BA zur Beurteilung der Wirksamkeit von Axi-Cel akzeptiert wurde, wurde durchgeführt, um die Ergebnisse von ZUMA-1 mit den Resultaten der bisher verfügbaren Behandlungsoptionen zu vergleichen. Im indirekten Vergleich zwischen ZUMA-1 und SCHOLAR-1 zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Axi-Cel für den Endpunkt Gesamtüberleben. In der bewertungsrelevanten Population der SCHOLAR-1-Studie lag bereits die 24-Monats-Überlebensrate im standardisierten Vergleich bei lediglich 12 Prozent. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 4,3 Monaten im Vergleich zu 23,5 Monaten für alle mit Axi-Cel behandelten Patienten in der ZUMA-1-Studie. Aus der Gegenüberstellung dieser Zahlen wird deutlich, dass vor der Einführung von CAR-T-Zellen für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL und PMBCL nach zwei oder mehr systemischen Therapien nur unzureichend wirksame und verträgliche Therapieoptionen zur Verfügung standen. Bezüglich der Wirksamkeit bestätigen die vorgelegten Fünfjahresdaten die bereits bei der Ersteinreichung überzeugenden Ergebnisse für die Therapie mit Axi-Cel; und ermöglichen eine Beurteilung hinsichtlich der langfristigen Effekte. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Anwendung von Axi-Cel mit Blick auf das Sicherheitsprofil handhabbar ist und potenzielle Nebenwirkungen primär in den ersten Wochen nach einer Infusion auftreten. Die Behandlung mit Axi-Cel ist in der deutschen Therapielandschaft angekommen. Der Einsatz von CAR-T-Zellen nach mindestens zwei Vortherapien entsprechend der DGHO-Leitlinie ist in dieser Situation derzeitiger Standard. Auch lassen sich die in der ZUMA-1-Studie erzielten Ergebnisse im deutschen Versorgungskontext reproduzieren. So wiesen in der Registerstudie von German Lymphoma Alliance und dem Deutschen Register für Stammzelltransplantation 74 Prozent der Patienten ein objektives Ansprechen und 42 Prozent der Patienten sogar ein vollständiges Ansprechen auf. Das Gesamtüberleben nach zwölf Monaten lag für Axi-Cel im deutschen Patientenkollektiv bei circa 55 Prozent. Mit Axi-Cel ist somit eine effektive Therapie mit einem potenziellen kurativen Potenzial und einem handhabbaren Sicherheitsprofil verfügbar. In der Gesamtschau der Ergebnisse lässt sich unter Berücksichtigung der vorliegenden Evidenz ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Axi-Cel für erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL und PMBCL nach zwei systemischen Therapien ableiten. – Damit möchte ich schließen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 6–6

Vielen Dank, Herr Finzsch. – Ich würde gerne mit einigen Fragen beginnen. Sie wissen, bei den indirekten Vergleichen stellt sich der G-BA immer die Frage nach der Robustheit dieser Daten. Bereits im Erstverfahren zu Axi-Cel wurde diskutiert, dass nicht ausreichend Informationen für die Bestimmung von Confoundern und Effektmodifikatoren für diese konkrete Behandlungssituation vorliegen. Meine Frage geht in Richtung Kliniker: Wie würden Sie das einschätzen? Hat sich das geändert, oder gibt es neue Evidenz, oder sind wir eigentlich am gleichen Stand wie zuvor? Daran anknüpfend interessiert uns natürlich, ob bestimmte Patientencharakteristika auch eine bestimmte prognostische Relevanz für die vorliegende fortgeschrittene Behandlungssituation haben. Es geht insbesondere um Patientencharakteristika wie das Alter, die Region der Datenerhebung, die Anzahl der vorangegangenen Therapien und die Lymphomentität. Zudem liegen bislang noch keine Angaben zu den Charakteristika „Vorliegen einer großen Tumormasse“ und „Vorliegen einer extranodalen Erkrankung“ vor. Vielleicht können Sie sich dazu äußern, um uns die Fragen dazu zu beantworten. – Ich sehe gerade, Herr Dreger meldet sich, ebenso Herr Wörmann. Ich beginne mit Herrn Dreger.

Herr Prof. Dr. Dreger (DAG-HSZT)

Pages 6–7

Wir haben uns die Nutzenbewertung und das Dossier dazu sehr gründlich durchgeschaut, und wenn ich jetzt auf Ihre Fragen eingehe, was sozusagen den praktischen Nutzen oder die Umsetzung in die Versorgungsrealität angeht, fällt bei der Nutzenbewertung auf, dass alle Informationen, die dazu vorliegen oder in den letzten drei Jahren dazu erarbeitet und publiziert wurden, keine Berücksichtigung fanden, dass insbesondere eben die europäischen Real-World-Analysen und namentlich die deutsche, aus der ja eben schon zitiert wurde, diesbezüglich nicht berücksichtigt wurden. Natürlich kann keine noch so gute Exegese einer Zulassungsstudie, die in Deutschland gar nicht stattgefunden hat, mit einem limitierten Datensatz oder einem limitierten Patientensatz diese Fragen beantworten. Dazu wären die Real-World-Analysen doch schon ein bisschen aussagekräftig. Die Empfehlung wäre eben, diese diesbezüglich zu studieren. Es sieht so aus, als würden sich gewisse Tendenzen abzeichnen. Eine davon betrifft Komorbiditäten. Gerade hinsichtlich des Alters gibt es noch eine Nachanalyse, die noch nicht publiziert ist. Es kommt aber aus dem Haupt-Paper heraus, dass zunehmendes Alter hier sogar ein günstiger Faktor ist. Unsere Analysen können bisher keine obere Altersschranke für Patienten mit Axi-Cel erkennen. Zudem gibt es eben die Tumoraktivitätsmarker, namentlich die LDH, und die Notwendigkeit des Bridgings, wenn ein Bridging erfolgt ist und nicht erfolgreich war, sprich: der Patient keine Reduktion des Tumorvolumens oder ein klinisches Ansprechen erfahren hat. Bridging heißt also eine Therapie, die gegeben wird, um die Voraussetzungen zu erreichen, also die Tumormasse unmittelbar vor Produktanwendung zu reduzieren. Wenn das nicht erreicht ist, sind die Ergebnisse schlechter, ohne dass man nun aus einem Einzelfaktor eine absolute Kontraindikation destillieren könnte. Auch Patienten mit ungünstigen Voraussetzungen haben Chancen, allerdings zu einem geringeren Anteil, tatsächlich eine Kuration zu erfahren, und auch die würden wir für die Biologie postulieren, die normalerweise dem großzelligen B-Zell-Lymphom zugrunde liegt. Wenn die Rezidive kommen, kommen sie meist im ersten halben Jahr, spätestens innerhalb der ersten zwei Jahre. Wer jenseits davon kein Rezidiv hat, hat eine ziemlich große Wahrscheinlichkeit, dann tatsächlich auch geheilt zu sein. – Und an dieser Stelle übergebe ich das Wort an Herrn Wörmann.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 7–7

Herr Wörmann, bitte.

Herr Prof. Dr. Wörmann (DGHO)

Pages 7–7

Eigentlich hatte ich mich schon wieder zurückgezogen, weil Herr Dreger alles gesagt hat. Herr Dreger hat die Stellungnahme hierzu koordiniert. Ich glaube, der kritische Punkt ist der, Frau Behring, den Herr Dreger gerade hauptsächlich gemacht hatte: Wie gehen wir mit Daten aus Registern um, die noch aufgesetzt wurden, bevor Sie den Auftrag für Registerqualität gegeben haben? Wir sind deswegen hier sehr auf der Seite der Register, weil es konfirmatorische Daten sind. Wir haben, glaube ich, an fast keinem Punkt eine Erhebung aus der Real-World-Evidenz, die den ursprünglichen Studiendaten widerspricht. Ergänzend noch das, was Herr Dreger auch sagte: Die Gruppe der wirklich refraktären Patienten profitiert möglicherweise nicht. Das ist eine klinisch relevante Entscheidung. Insofern ist das der Punkt; es ist aber eher ein fast nachdenklicher als ein sehr lauter Punkt unsererseits. Wir halten diese konfirmatorischen Daten doch für sehr relevant für die Nutzenbewertung hier.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 7–7

Uns geht es natürlich darum: Sind diese Patienten vergleichbar, und haben wir die entsprechenden Daten, wo das möglicherweise hätte adjustiert werden müssen? Aber jetzt habe ich schon gehört: Sie haben gesagt, es kristallisiere sich das Alter heraus, das scheine ein sehr relevanter Punkt zu sein. Vielleicht, wo ich Sie jetzt gerade am Reden habe, könnten Sie – – Ach, entschuldigen Sie bitte: Ich sehe gerade, dass die Fachberatung Medizin sich direkt dazu meldet, aber ich weiß nicht genau, wer. Dann fordere ich jetzt die Abteilung Fachberatung Medizin auf.

Herr Kulig ()

Pages 7–8

Bei mir steht leider mein Name nicht dran. – Ich kann das aufklären. Direkt zu der Frage: Es geht hierbei wirklich noch einmal um die Einschätzung. Wir wollen bei einem Vergleich für Unterschiede adjustieren. Dafür ist es natürlich ganz wichtig, zu wissen: Welche Faktoren haben eine prognostische Relevanz in diesem Krankheitsgebiet? Ich habe jetzt mitgenommen, möchte aber noch mal dezidiert fragen, ob das so richtig ist oder ob es weitere Faktoren gibt, die für eine Prognose wichtig sind: Das sind also die bestehenden Unterschiede beim frühen Rezidiv, die ein prognostisch wichtiger Faktor sind, gegebenenfalls Refraktärität oder auch die Tumormasse? Außerdem interessiert mich die Frage, die auch Frau Behring gestellt hat: Wie ist das denn mit der extranodalen Erkrankung? Spielt das eine Rolle, oder gibt es noch weitere prognostische Faktoren, für die dann auch wirklich ausreichend adjustiert werden muss?

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 8–8

Herr Dreger, ich frage Sie gleich als Erstes: Was würden Sie sagen: extranodale Erkrankung, Tumormasse?

Herr Prof. Dr. Dreger (DAG-HSZT)

Pages 8–8

Ja, dazu gibt es jetzt keine guten Untersuchungen. Ich glaube, bei den Engländern war das ein Faktor, weiß es aber jetzt, ehrlich gesagt, nicht auswendig. Bei uns konnte das nicht untersucht werden. Herr Bethge mag es kommentieren, der ja die Untersuchungen hauptsächlich gemacht hat. Ich glaube nicht, dass das bei uns ein Faktor in unserer Analyse war. Aus der klinischen Erfahrung heraus sind natürlich – E-Befall ist ja ein Bestandteil des IPI, zumindest mehr als eine Lokalisation. Der IPI als solcher ließ sich aber auch bei uns oder in anderen Analysen nicht so richtig als Risikofaktor herausdestillieren. Ich glaube, auf einzelnen Faktoren herumzureiten, ist auch so ein bisschen schwierig. Die Message ist sicher, zumindest jenseits der zweiten Linie – in der zweiten Linie sieht es ein bisschen anders aus, aus der ZUMA-7 zumindest, soweit wir sie beurteilen können –, ist sicherlich: Je mehr Tumoraktivität, je mehr Tumorvolumen und je größer sozusagen die Refraktärität auf konventionelle Therapien, desto ungünstiger ist am Ende auch das Outcome oder desto weniger wahrscheinlich ist eine langfristige Tumorkontrolle mit Axi-Cel. Aber keiner dieser Faktoren, wie eben schon angedeutet, ist für sich ein absolutes K.-o.-Kriterium oder eine absolute Kontraindikation. Aber je mehr davon da sind, desto ungünstiger ist die Prognose oder desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier mit einem dauerhaften Erfolg rechnen können.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 8–8

Jetzt habe ich Herrn Professor Wörmann, dann Herrn Professor Glaß und Herrn Professor Bethge. – Herr Wörmann, fangen Sie an.

Herr Prof. Dr. Wörmann (DGHO)

Pages 8–8

Nein, ich bin schon wieder raus. Ich wollte eigentlich anregen, dass sowohl Herr Glaß als auch Herr Lenz der die Leitlinie koordiniert hat und jetzt dabei ist, dazu etwas sagen. Es ging mir darum, dass Sie ihn wahrnehmen; das war alles.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 8–8

Wunderbar; vielen Dank. – Dann beginne ich mit Herrn Professor Glaß. – Bitte, Herr Glaß.

Herr Prof. Dr. Glaß (GLA)

Pages 8–9

Einen Punkt haben wir hier nicht so herausgestellt; ich hoffe, die Kollegen stimmen mir zu: Es zeichnet sich ein bisschen ab, dass die prognostischen Kriterien zwischen bisherigen herkömmlichen Therapien und damit den Vergleichskriterien einerseits und den prognostischen Faktoren für die CAR-T-Zell-Therapie andererseits möglicherweise unterschiedlich sind. Zum Beispiel ist Refraktärität gegen eine vorangegangene Immunchemotherapie klassischer Art per se nicht unbedingt ein negativer prognostischer Faktor für eine CAR-T-Zell-Therapie, aber natürlich für eine weitere Immunchemotherapie irgendeiner Art. Der Faktor, der aus meiner Sicht relativ simpel und am besten für die CAR-T-Zellen zur Prognose geeignet ist, ist die LDH zum Zeitpunkt der Infusion der CAR-T-Zellen. Das summiert dann natürlich auch die Refraktärität gegenüber den vorherigen Therapien mit auf, wenn man so will, weil selbstverständlich die Patienten, die auf Vortherapien nicht ansprechen, dann ungebremst mit einem progressiven Lymphom in die CAR-T-Zell-Therapie gehen und dann eben diese hohe LDH haben, ein einfacher Laborparameter. Das ist bisher nach meinem Dafürhalten für die CAR-T-Zell-Therapie derjenige prognostische Faktor, der am simpelsten, am einfachsten zu bestimmen und auszuwerten ist und die höchste prognostische Relevanz besitzt. Er besitzt auch für die anderen Therapien, die Vergleichstherapien, eine große Relevanz; aber vieles, was bei den Vergleichstherapien relevant ist, scheint für die CAR-T-Zell-Therapie nicht von so ganz entscheidender Bedeutung zu sein. Zum Beispiel sind vorangegangene autologe Transplantation oder primäre Refraktärität wahrscheinlich nicht so bedeutend. Also, Unterschied zwischen Refraktärität auch für die Vergleichstherapien und CAR-T-Zell-Therapie ist ein wichtiger Punkt, auf den man achten muss.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 9–9

Dann Herr Professor Bethge, bitte.

Herr Prof. Dr. Bethge (DAG-HSZT)

Pages 9–9

Ich wollte nur noch etwas zu unserer Analyse ergänzen. Es ist tatsächlich so, dass wir extramedulläre Tumoren oder tumor load natürlich nur indirekt durch unsere Kriterien, also durch IPI-Tumorstadium oder die gerade erwähnte LDH-Erhöhung berücksichtigt haben. Interessant ist dabei, dass tatsächlich die LDH-Erhöhung eine Rolle spielt, aber es ist eben auch nicht so schwarz-weiß: Diejenigen Patienten, die auf die Bridging-Therapie gut angesprochen und dann darüber eine Normalisierung der LDH erlebt haben, hatten wieder ein gutes Ergebnis. Also, man kann auch nicht einfach sagen: Wenn die Ausgangsfaktoren so und so sind, klappt es nicht, und die Patienten dürfen diese Therapie nicht kriegen. Überraschenderweise war ja bei uns zum Beispiel auch das Alter in prognostischer Hinsicht vorteilhaft: Ältere Patienten haben also letztendlich von der Therapie mehr profitiert als die Jüngeren, was vielleicht auch wieder mit den Patientenselektionskriterien zu tun haben könnte. Aber die Welt ist eben in der Realität nicht so schwarz-weiß, und es ist auch nicht so einfach, eine Vorentscheidung zu finden, welche Patienten am Ende wirklich von dieser Therapie profitieren. Deswegen ist es aus unserer Sicht so wichtig, dass solche Register und Real-World-Analysen eben Eingang in solch eine Nutzenbewertung finden und dass man auch in der Präadjustierung, welche Patienten dann diese Therapie am Ende erhalten, tatsächlich auch die individuelle Situation des Patienten sehr gut berücksichtigt, was eigentlich nur der Arzt und der Therapeut und nicht irgendwelche Tabellen können.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 9–9

Vielen Dank, auch für die Mühe, die Sie sich mit der Analyse gemacht haben. – Dann habe ich jetzt Herrn Professor Lenz.

Herr Prof. Dr. Lenz (DGHO)

Pages 9–9

Ganz kurz – ich möchte nicht alles wiederholen –, um vielleicht noch auf Ihre Frage hinsichtlich des Tumorvolumens zurückzukommen. Da gibt es ja schon Analysen, dass eben ein hohes Tumorvolumen, gerade wenn es mittels PET gemessen ist, metabolisches Tumorvolumen, eben mit einer schlechten Prognose assoziiert ist. Ich möchte aber da ganz klar unterstreichen, was Herr Bethge und Herr Dreger jetzt mehrfach hervorgehoben haben, dass ein Einzelfaktor eben nicht zwangsläufig bedeutet, dass man ein schlechtes Ansprechen hat. Zusätzlich sind das natürlich alles Daten – die Real-World-Daten sind wichtig –, die an Patienten erhoben wurden, die in der dritten, vierten, fünften Linie ihre CAR-T-Zellen erhalten haben. Jetzt haben wir es natürlich mit einer anderen Situation zu tun, sodass nicht jeder Faktor, den wir für die Drittlinie plus identifiziert haben, zwangsläufig auch für das erste Rezidiv gelten muss. Ich glaube, das muss man durchaus auch bedenken, wenn man diese Daten sozusagen appliziert.

Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)

Pages 9–9

Wunderbar; vielen Dank. – Herr Kulig, weitere Fragen dazu?

Herr Kulig ()

Pages 9–9

Danke, das ist es erst mal.