Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
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Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich begrüße Sie zur Anhörung zu Upadacitinib. Ich heiße Sie alle herzlich willkommen zur Anhörung zu Upadacitinib zur Behandlung des Morbus Crohn. Herr Hecken lässt sich entschuldigen, und für ihn übernehme ich heute die Anhörung. Mein Name ist Antje Behring, ich leite die Abteilung Arzneimittel. Das vielleicht zu meinem Hintergrund. Es wird ein Wortprotokoll geführt, das heißt, alles, was Sie heute sagen, wird Herrn Hecken zur Kenntnis gegeben. Zu Beginn liste ich Ihnen auf, wer zu diesem Verfahren Stellung genommen hat: Das ist der pharmazeutische Unternehmer AbbVie Deutschland selbst. Es gibt weitere pharmazeutische Unternehmer, die sich beteiligt haben. Das sind Takeda, MSD und Janssen-Cilag, als Fachgesellschaften die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und als Verband der vfa. Jeder der Verbände hat jeweils einen Vertreter gesendet, und ich prüfe jetzt, wer anwesend ist. Für den pharmazeutischen Unternehmer AbbVie Deutschland müssten anwesend sein: Frau Sellenthin, Frau Görgülü, Frau Dr. Flauaus und Frau Dr. Sternberg – jetzt ist übrigens Ihr Video aus, aber Ihr Ton funktioniert perfekt –, für die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten Herrn Professor Dr. Sturm – er ist noch nicht da, das ist schade, weil wir heute einen Kliniker gebrauchen könnten –, für Takeda Frau Dr. Sünwoldt und Herr Dr. Kudernatsch, für MSD Herr Dykukha und Frau Dr. Heier, für Janssen-Cilag Herr Dr. Sindern und Frau Heck sowie für den vfa Herr Bussilliat. Wer macht von der Firma AbbVie die Einführung, um uns ins Verfahren zu führen? – Frau Sellenthin.
Frau Sellenthin (AbbVie)
Pages 3–3
Genau, ich mache das gern. Sehr geehrte Frau Dr. Behring! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank für die einleitenden Worte und die Möglichkeit, dass wir heute wieder zur Upadacitinib Stellung nehmen können. Wir freuen uns sehr, zu der Indikationserweiterung Morbus Crohn und zur Behandlung dieser chronischen Erkrankung sprechen zu können. Bevor wir mit der Einführung beginnen, möchten wir, Ihre Zustimmung vorausgesetzt, eine kurze Vorstellungsrunde machen, auch wenn Sie uns nicht sehen. Wäre das in Ordnung?
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 3–3
Ja. Legen Sie los.
Frau Sellenthin (AbbVie)
Pages 3–3
Mein Name ist Wendy Sellenthin, ich leite bei AbbVie das Nutzenbewertungsteam für die immunologischen Arzneimittel im Bereich Marktzugang und würde jetzt an meine Kollegin übergeben.
Frau Dr. Sternberg (AbbVie)
Pages 3–3
Hallo, mein Name ist Kati Sternberg. Ich bin Statistikerin und leite die Gruppe Statistik in der Nutzenbewertung und bin heute für alle statistischmethodischen Fragen zuständig. Damit gebe ich weiter.
Frau Görgülü (AbbVie)
Pages 3–3
Guten Tag! Seval Görkülü ist mein Name. Ich bin HTA-Managerin bei AbbVie und war für das Upadacitinib-Morbus Crohn-Dossier zuständig. Ich gebe an meine Kollegin weiter.
Frau Dr. Flauaus (AbbVie)
Pages 3–3
Schönen guten Tag auch von meiner Seite. Ich bin Cathrin Flauaus und arbeite in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung. Ich bin heute für alle medizinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen rund um Upadacitinib in der Indikation des Morbus Crohn zuständig.
Frau Sellenthin (AbbVie)
Pages 4–5
Damit wären wir durch. Nun zurück zu Upadacitinib: Wir haben für Upadacitinib nach der ersten Zulassung in der Rheumatologie 2019 nun die siebte Indikationserweiterung erhalten. Upadacitinib ist nun auch bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktiven Morbus Crohn zugelassen, die auf eine konventionelle Therapie oder ein Biologikum unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder dieses nicht vertragen haben. Heute möchten wir auf zwei Aspekte näher eingehen: Erstens möchte ich zu der Kombinationsbenennung für Upadacitinib kurz Stellung nehmen, und zweitens möchte ich vor allem zu dem hohen Therapiebedarf und zu Upadacitinib als neue, hochwirksame Behandlungsoption sprechen. Zur Kombinationsbenennung: Für Upadacitinib wurden als mögliche Kombinationspartner Vedolizumab und Risankizumab benannt. Bei diesen handelt es sich nicht um arzneimittelrechtlich zugelassene Kombinationen für Upadacitinib. Es liegen keine Daten zu Upadacitinib in Kombination mit anderen potenten Immunsuppressiva wie Risankizumab oder Vedolizumab vor. In der Fachinformation wird sogar explizit davor gewarnt, Upadacitinib in Kombination mit anderen potenten Immunsuppressiva anzuwenden. Eine Empfehlung ergibt sich damit weder aus der Fachinformation noch aus den medizinischen Leitlinien. Wir halten diese Kombinationsbenennung für Upadacitinib daher für medizinisch nicht angezeigt oder zweckmäßig. Nun komme ich zum Therapiebedarf für Upadacitinib als hochwirksame neue Therapieoption. Der Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die meist bei sehr jungen Patienten auftritt. Im Gegensatz zu Colitis ulcerosa kann die Entzündung den gesamten Magen-Darm-Takt und alle Gewebeschichten betreffen. Diese Entzündungen haben erhebliche Folgen für die Betroffenen. Unerträgliche, krampfartige Schmerzen im Unterbauch, häufige wässrige Durchfälle, die auch 20-mal am Tag auftreten können, extremer Stuhldrang, wodurch der Alltag ständig unterbrochen wird, und Fisteln oder Abszesse, die Schmerzen verursachen und Operationen und Krankenhausaufenthalte erfordern. Die echte Krankheitslast für Morbus-Crohn-Patienten reicht weit über diese physischen Symptome hinaus und schränkt die Patienten oftmals in sämtlichen Lebensbereichen ein. Man kann sich bestimmt gut vorstellen, dass die Lebensqualität der Betroffenen durch die genannten Auswirkungen der Erkrankung sehr stark beeinträchtigt wird und der Alltag nicht unter normalen Umständen zu bewältigen ist. Es gilt daher, die Entzündung schnell und langfristig zu lindern, um so irreversible Schäden des Darms zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen wiederherzustellen. Daher sind die wichtigsten Ziele bei der Therapie vor allem das schnelle und nachhaltige Erreichen der Remission und die Heilung der entzündeten Schleimhaut von innen, die sogenannte Mukosa-Heilung. Es gibt jedoch bisher sehr wenige Therapieoptionen für Morbus Crohn, die diese Ziele überhaupt erreichen können. Daher besteht nach wie vor ein sehr hoher Bedarf an innovativen und hochwirksamen Therapieoptionen. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil der Patienten unzureichend auf eine Therapie anspricht oder das Ansprechen verliert, wodurch eine langanhaltende Remission selten erreicht wird. Wenn wir uns anschauen, was der Patient dringend benötigt, sehen wir, warum Upadacitinib als einziger JAK-Inhibitor eine sehr wichtige Therapieoption für diese Patienten darstellt. Upadacitinib ermöglicht durch den raschen Wirkeintritt und durch die sehr hohe Wirksamkeit eine langanhaltende Remission der Patienten. Die Zulassungsstudien von Upadacitinib zeigen sehr deutlich, dass Upadacitinib durch den raschen Wirkeintritt in kurzer Zeit nicht nur eine umfassende Linderung schwerwiegender Symptome schafft, sondern dem Patienten eine schnelle und langanhaltende Krankheitskontrolle ohne den Einsatz von Kortikosteroiden ermöglicht. Zudem erreicht die Mehrheit der Patienten unter Upadacitinib das langfristige Therapieziel einer Mukosa-Heilung, wodurch weitere Schädigungen des Darms verhindert und der Verlauf dieser schwerwiegenden Erkrankung begünstigt werden. Somit trägt Upadacitinib maßgeblich zur deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bei. Insgesamt schließt Upadacitinib hier eine sehr wichtige therapeutische Lücke zum Wohle der Patienten. Ihre Krankheitslast wird entscheidend gelindert, die Lebensqualität wiederhergestellt, und sie können ihren normalen Alltagsanforderungen wieder nachkommen. – Damit kommen wir zum Schluss und freuen uns auf die nachfolgende Diskussion. Vielen Dank.
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 5–5
Vielen Dank. Insbesondere begrüßen wir Herrn Professor Sturm, der sich gerade zugeschaltet hat. Vielen Dank, dass Sie da sind. – Ich habe gleich eine erste Frage an Sie: Sie haben in Ihrer Stellungnahme gesagt, dass erst einmal abzuwarten bleibt, wie sich JAK-Inhibitoren bei Morbus Crohn positionieren. Das ist hier der erste JAK-Inhibitor. Haben Sie eine Idee für sich selbst, wo Sie dieses neue Arzneimittel einsetzen würden? Haben Sie irgendwo eine Stelle im Therapiealgorithmus, wo Sie die selbst einsortieren würden?
Herr Prof. Dr. Sturm (DGVS)
Pages 5–5
Ich glaube, das ist ein rasch wirksames Medikament, das zumindest im Augenblick vom Nebenwirkungspotenzial her geringer ist als die Glucocorticoide. Man muss sehen, ob sich das alles in der Zukunft bewahrheitet. Aber wir sehen es im Augenblick für Patienten, die keine Nebenwirkungen entwickeln. Das thrombogene Risiko ist ein großes Thema, das wir im Augenblick haben. Für den klassischen Crohn-Patienten sehen wir das Medikament relativ weit vorne in der Therapiekaskade, zumindest bei den Erwartungen, die wir im Augenblick haben, weil wir nicht diesen sekundären Wirkverlust haben, und das ist bei den ganzen Biologika aufgrund des Eiweißes, also der Immunogenität der Fall. Im Augenblick glauben, hoffen wir relativ weit vorne.
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 5–5
Okay, das werden wir sehen. Leider haben wir noch nicht die richtigen vergleichenden Daten, dass man das gut hätte beurteilen können. Aber vielen Dank, das war unsere Frage. – Jetzt eröffne ich die Runde. Wer hat Fragen an den pharmazeutischen Unternehmer? – Frau Kunz?
Frau Dr. Kunz ()
Pages 5–5
Ich hätte anschließend an die Frage von Frau Behring eine Frage an Herrn Sturm zur Einordnung in der Therapiekaskade. Welche Rolle spielt bei der Entscheidung das PRAC-Verfahren zu den JAK-Inhibitoren? Spielt das eine Rolle bei der Entscheidung? Das hat zumindest zu Warnhinweisen geführt, die in die Fachinformation aufgenommen wurden. Welche Rolle spielt das bei der Therapieentscheidung, um das in der Therapiesituation einzuordnen?
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 5–5
Herr Sturm, Sie sind gleich an der Reihe. Sie sind heute unser einziger Kliniker.
Herr Prof. Dr. Sturm (DGVS)
Pages 5–5
Ich habe die letzte Frage nicht verstanden. Entschuldigen Sie.
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 5–5
Das PRAC-Verfahren war das Thema. Derzeit läuft bei den JAK-Inhibitoren ein sogenanntes PRAC-Verfahren, die besondere Überwachung der Nebenwirkungen, Pharmakovigilanz bei JAK-Inhibitoren. Hat das eine besondere Auswirkung auf den Einsatz bei Ihnen? – War das korrekt, Frau Kunz? Sie können es gern wiederholen.
Herr Prof. Dr. Stumm (DGVS)
Pages 5–5
Ja, hat es. Das Problem mit dem PRAC-Verfahren ist, dass alle Januskinase-Inhibitoren über einen Kamm geschert wurden und zweitens, die Daten, die aus der rheumatoiden Arthritis von dieser MACE-Studie kommen, nicht mit CED-Patienten nachvollzogen wurden. Es gibt jetzt die ersten Real-Life-Daten, die das thrombogene Risiko nicht bei den CED-Patienten sehen, aber zumindest hat es gereicht, um für das BfArM einen Rote Handbrief herauszubringen. Ja, wir sind etwas vorsichtiger damit, wenn es um thrombogenes Risiko geht, Patientenzustand nach Lungenarterienembolie, Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose. Da sind wir zurückhaltend in der Verschreibung der Januskinase-Inhibitoren. Das sind einige Patienten, nicht viele, aber einige. Aber die Daten kommen nicht von Crohn oder nicht von Colitis, möchte ich noch einmal sagen, sondern aus der komorbiden RA-Population.
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 5–5
Haben Sie eine Rückfrage dazu, Frau Kunz?
Frau Dr. Kunz ()
Pages 5–5
Vielen Dank, das war erst einmal ausreichend. Danke.
Frau Dr. Behring (amt. Vorsitzende)
Pages 6–6
Frau Engelhardt.
Frau Dr. Engelhardt ()
Pages 6–6
Ich habe auch eine Frage zu diesem Themenkomplex. In der Fachinformation wird als dritter Punkt von den Warnhinweisen im Kasten ausgeführt, dass bei Patienten mit Risikofaktoren für maligne Erkrankungen – aktuelle oder zurückliegende – Vorsicht geboten ist. Da stellen wir uns die Frage, wie sicher der Einsatz bei jüngeren Patienten ist, die offensichtlich nicht dieses Malignitätsrisiko haben und die es vielleicht in der Familie haben und vor allem, weil die TNF-Alpha-Inhibitoren kein Krebsrisiko haben. Könnten Sie zu diesem Aspekt freundlicherweise noch etwas sagen?